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Raus aufs Land!

Von Judith Lembke
16.06.2020
, 11:14
Mehr Platz, mehr Grün, weniger Leute: Die Pandemie führt zu einer neuen Lust aufs Land. Werden Wohnungen in der Stadt nun günstiger und in der Provinz teurer?

Bevor die Pandemie das Familienleben auf achtzig Quadratmeter im dritten Stock ohne Balkon begrenzte, hätte Johanna Schlüter sich niemals vorstellen können, aufs Land zu ziehen. Zu sehr hing sie an dem quirligen Leben in Berlin-Kreuzberg, wo Kita, Geschäfte und Cafés nur eine kurze Fahrt mit dem Lastenfahrrad entfernt liegen. Doch dann kam Corona, und das, was sie an der Stadt bislang so schätzte, ihre Dichte, verkehrte sich in ihren größten Nachteil: „Die Spielplätze waren geschlossen, und jeder Schattenplatz im Park war dreimal besetzt“, berichtet sie. Im Park musste sie nicht nur aufpassen, dass ihre beiden eineinhalb und drei Jahre alten Töchter anderen Kindern nicht zu nah kommen, sondern auch, dass sie nicht in eine Spritze treten oder mit Zigarettenkippen spielen. Jeder Ausflug aus dem Stadtzentrum hinaus ins Grüne wurde hingegen „zum Staatsakt“.

Gleichzeitig stellte Schlüter, die eigentlich anders heißt, fest, dass sie den urbanen Lebensstil, den sie bislang für unverzichtbar gehalten hatte, gar nicht vermisste. „Corona hat mir deutlich gemacht, dass es in meiner Lebensphase mit den beiden kleinen Kindern eigentlich egal ist, ob die Cafés und Theater geöffnet haben oder nicht – ich nutze sie im Moment sowieso nicht.“ In der erzwungenen Unterbrechung des sonst durchgetakteten Alltags zwischen Kita, Vollzeitstelle und Freizeitprogramm wog Schlüter gegeneinander auf: das trubelige, aber räumlich enge und stressige Leben in der Großstadt gegen das vermeintlich entspanntere Leben auf mehr Fläche auf dem Land. Für die Berlinerin ist die Entscheidung klar: „Corona hat den Wunsch in mir wachsen lassen, die Stadt zu verlassen“, sagt sie und meint damit nicht den Umzug in den Speckgürtel, sondern in ein Dorf in die brandenburgische Provinz, Wechsel ihres Arbeitsplatzes mit eingeschlossen. Während Schlüter schon Immobilienangebote studiert, sei nur ihr Freund „noch nicht ganz überzeugt“.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Lembke, Judith
Judith Lembke
Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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