<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>

Stadt, du kannst so nervig sein

Illustrationen: VALENTINE EDELMANN

12.06.2019 · Das Stadtleben ist großartig. Meistens. Wären da nicht die hohen Mieten, die vielen Autos, das Einerlei an Geschäften, Restaurants und Speisen. Unsere kleine Sammlung von Lieblings-Aufregern der Redaktion aber zeigt, den meisten Unmut erzeugt etwas ganz anderes: die Zumutung Mitmensch.

Mampfen auf Schritt und Tritt

Mehr Lesen
Schwer zu sagen, wann es genau begann, aber seit geraumer Zeit ist es offenkundig vorbei mit einer der angenehmsten Begleiterscheinungen des Stadtlebens. Zwar ist hier der Fremde dem Fremden immer noch ein Fremder. Nur verhält er sich nicht mehr konsequent so. Leider. Seit der Städter seine Mitmenschen auf Schritt und Tritt plump vertraulich zu Zeugen seiner Mahlzeiten macht, ist es aus und vorbei mit dem angenehmen Abstandhalten. Kein Ort mehr, an dem er (oder sie) nicht isst und trinkt, mümmelt, gluckert, schlabbert, schmatzt, sich die fettigen Finger ableckt, mit denen er eben – oft nur mäßig erfolgreich – Teile seines Döners, Käsebrötchens oder Ketchuptropfende Wurststückchen aufgefangen hat. Unterwegs auf der Straße genehmigt er sich rasch eine Pizza, im Laden ein Eis, im Wartezimmer darf‘s eine Apfeltasche sein, und in der Bahn ist während der Fahrt drei Stationen lang Zeit für gebratenen Reis mit Hühnchen aus der China Box. Mahlende Kiefer überall. Auch wer das große Schmausen nicht ansehen muss, entgeht ihm nicht: Hier ein leises Rülpsen im Rücken, dort den Geruch von Schinkensandwich in der Nase. Der öffentliche Raum als öffentlicher Speisesaal – och nee, so viel Distanzlosigkeit muss nicht sein.
bir.

Kein Herz für Club-Töter

Mehr Lesen
Die Stadt ist zum Leben großartig. Hier kommen kreative Menschen zusammen und interpretieren Regeln neu. Zum Beispiel in der Musik: Kurze Wege zu Live-Clubs, junge Leute, die als Auszubildende oder Studenten aus der Peripherie ins Zentrum strömen, übersprudelnde Ideen aus ganz unterschiedlichen Einflüssen. Doch mit den Jahren werden viele satt, die genau das früher selbst toll fanden. Mit einem Mal stört der Lärm beim Weintrinken auf dem Balkon. Und ganz unbemerkt setzt das Clubsterben ein, verlieren die Kreativen ihre Orte, haben sie Immobilieninvestoren nichts mehr entgegenzusetzen. In Deutschland fehlt den Stätten der Livemusik ein Bestandsschutz. Wenn überall wie wild gebaut wird, hat auf einmal der zugezogene Mieter mehr zu sagen als der verdiente Clubbetreiber, der schon Nirvana oder Oasis den Gitarrenkoffer getragen hat, als sie noch keiner kannte. Dabei ziehen viele Menschen doch gerade wegen dieser Vorzüge in die Stadt. Und dann die Open-Air-Veranstaltungen: Hunderte Menschen kommen zusammen und genießen friedlich einen lauen Sommerabend, Kinder tummeln sich vor den Bühnen und lernen die Arbeit der Künstler wertschätzen. Doch dann gibt es da diesen einen Anwohner, den das stört. Die Auflagen der Behörden folgen. Und wem nützt es? Dem einen garstigen Kauz, der es nicht vertragen kann, wenn sich andere vermeintlich auf seine Kosten amüsieren.
pik.

Testen Sie unsere Angebote.
Jetzt weiterlesen

Testen Sie unsere Angebote.
F.A.Z. PLUS:

FAZ.NET komplett

: Neu

F.A.Z. Digital

F.A.Z. Digital – Jubiläumsangebot!

Quelle: F.A.S.