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Einbauküchen

„Es muss nicht immer Eiche sein“

Von Birgit Ochs
Aktualisiert am 04.02.2020
 - 13:47
Tischlerei Sommer
Die Tischlerei Sommer hat sich mit Einbauküchen und Unikaten aus Massivholz einen Namen gemacht. Im Interview spricht Möbelbauer Gregor Sommer über die unterschätzte Esche, Hölzer mit Gesicht und warum geseifte Oberflächen manchmal besser als geölte sind.

Unter den mehr als 30.000 Tischler- und Schreinerbetrieben in Deutschland gehört die Tischlerei Sommer zu den ungewöhnlicheren. Weniger weil sich der neun Mitarbeiter zählende Betrieb von Gregor und Barbara Sommer aus Breitscheid in Rheinland-Pfalz auf den Bau von Massivholzmöbeln nach Maß spezialisiert hat. Die sind im gehobenen Innenausbau Standard. Sondern eher weil die seit einem Vierteljahrhundert bestehende Werkstatt teils immer noch auf alte Handwerkskunst setzt, für das Ergebnis fast schon regelmäßig mit Designpreisen ausgezeichnet wird und bei der Hölzerauswahl nicht unbedingt dem Mainstream folgt. Was man auch an dem diesjährigen Stand der Tischlerei auf der Möbelmesse in Köln sehen konnte. Das derzeit überall präsente Eichenholz jedenfalls war dort nicht zu sehen, Esche hingegen kam in Gestalt einer stattlichen Küche groß raus.

Geht der Trend jetzt zur Esche?

Das weiß ich nicht. Darüber mache ich mir auch keine Gedanken. Momentan jedenfalls wollen ja alle Eiche. Vor zehn Jahren war das noch anders, da dachten die Leute an „Eiche rustikal“ und waren nur schwer davon zu überzeugen, dass dieses Holz nicht nur robust und solide ist, sondern auch gut und modern aussehen kann. Heute ist die helle Eiche Standard und jeder, der geschmacklich auf Nummer Sicher gehen will, wählt sie. Eichenholz mit Maserungen ist dann allerdings schon wieder weniger gefragt. Aber es muss nicht immer Eiche sein.

Für welche Holzwahl braucht es mehr Mut?

Für Ahorn- und Kirschbaum zum Beispiel. Die waren sehr beliebt, aber derzeit will sie niemand haben. Dabei sind das wirklich wunderschöne Hölzer. Bei Kirsche geht einem wirklich das Herz auf. Sehr schön ist aber auch Ulmenholz, Rüster genannt. Rotrüster hat einen besonderen Goldton.

Mit welchem Holz arbeiten Sie am liebsten?

Das kommt auf die Aufgabe an – und auf den Kunden. Viele, die zu uns kommen, haben eine ganz bestimmte Vorstellung, welches Holz sie wollen. Aber unter Umständen passt das gar nicht zu ihnen. Das muss man erst mal im Gespräch herausfinden.

Sie meinen, das Wunschholz passt nicht zur übrigen Einrichtung?

Auch. Aber vielmehr geht es um langfristige Ansprüche und Erwartungen an die Möbel. Wir bauen keine Objekte, die bei nächster Gelegenheit wieder ausgetauscht werden.

Wie viel lassen die Käufer sich bei Ihnen zum Beispiel eine Küche kosten?

Die Kosten der bei uns gefertigten Küchenmöbel mit hochwertigen Einbaugeräten liegen in der Regel zwischen 40.000 und 80.000 Euro.

Sind Küchen Ihr Hauptgeschäft?

Ja. Und Bäder. Aber wir fertigen auch einzelne Möbel. Wir haben Kunden, die sind selbst mit Einbaumöbeln mehrfach umgezogen, nachdem wir sie entsprechend neu angepasst haben. Die Voraussetzung ist, dass man das richtige Holz gewählt hat.

Auf der Möbelmesse in Köln haben Sie eine Küche aus Esche gezeigt. Warum eignet sich dieses Holz dafür gut?

Esche ist ein tolles Holz, das wir seit einigen Jahren zeigen. Optisch wirkt es leicht, nordisch und natürlich. Was die Härte angeht, ist Eschenholz mindestens so gut wie Eiche, allerdings deutlich zäher. Denn Eschenholz ist anders als Eichenholz langfaserig,deshalb eignet es sich auch sehr gut, um daraus Stuhlbeine zu machen. Außerdem hat Esche eine interessante Oberfläche. Gebürstet wird es nicht ganz glatt, man fühlt die Struktur. Zugleich ist es aber angenehm weich. Außerdem hält es die Farbe.

Sie meinen, es dunkelt nicht nach?

Genauso wenig wie Rüster. Andere Hölzer sind da problematischer, zumindest mit Blick auf die Kunden, die sich einen bestimmten Ton vorstellen. Und noch etwas zur Optik. Für die Front wählen wir bei Esche grundsätzlich das dunklere, in der Wachstumsphase verkernte Holz, das der Eiche näher kommt. Helles Eschenholz nutzen wir für das Innenleben der Möbel.

Wieso?

Weil helles Eschenholz in der Fläche kein Gesicht hat. Auf einer fünf Meter langen Front wirkt das langweilig.

Wie behandeln Sie die Oberflächen?

Man kann Hölzer ölen. Bei Eschenholz ist das allerdings nicht zu empfehlen, das wirkt, als werde das Holz angefeuert und der Ton wird zu laut. Man kann aber zum Öl weiße Pigmente hinzugeben, dann fällt der Ton weniger kräftig aus. Sehr zu empfehlen ist es aber auch, die Oberfläche zu seifen.

Warum?

Das sogenannte Seifen ist wohl nach dem rohen Holz die natürlichste Oberflächenbehandlung. Durch das mehrfache Einlassen mit einer Naturseife erhält das Holz eine samtig weiche Oberfläche. Das Öl in der Seife gibt einen Oberflächenschutz, den man bei jedem Wischen mit der Seife erneuert.

Verwenden Sie nur Holz oder auch andere Werkstoffe?

Wir kombinieren Holz mit Stahl und Naturstein, die besonders auch im Bad eine Rolle spielen. Mit Kunststoffen dagegen arbeiten wir nicht.

Wenn das aber Kundenwunsch ist?

Dann kommen wir womöglich nicht zusammen. Denn mit einem Material wie zum Beispiel Quarzkomposit kann ich nichts anfangen. Ich will das gar nicht abwerten, aber es passt einfach nicht zu uns. Wir sind Experten für ausgefallene Hölzer, setzen auf alte Handwerkstechniken, das ist unsere Stärke. Fachleute für moderne Baustoffe sind wir nicht.

Wären Sie das gerne? Die sind ja auch reizvoll.

Nein. Es ist Quatsch, zu sagen, wir können alles. Wer alles kann, kann in der Regel nichts richtig.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Ochs-Koffka, Birgit
Birgit Ochs
Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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