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Zentralbanken in der Zwickmühle

Von Martin Lück
22.05.2022
, 20:21
Bisher war 2022 aus Anlegersicht ein Jahr zum Vergessen.
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Bisher war 2022 aus Anlegersicht ein Jahr zum Vergessen. So hat an der Covid-Front die Omikron-Variante zwar in unseren Breiten für eher milde wirtschaftliche Schäden gesorgt, dafür schlägt sie jetzt aber in Gestalt neuer massiver Lockdowns in Ostasien voll auf Wachstum und Preise durch. Gleichermaßen hat sich der russische Truppenaufbau an der Grenze zur Ukraine leider nicht, wie von den meisten erwartet, als reine Drohkulisse herausgestellt, sondern als Auftakt zum grausamsten Angriffskrieg in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Infolgedessen fehlen Produkte aus der Kriegsregion, etwa Weizen für Afrika, Kabelbäume für Autobauer und fossile Energien, von denen wir leider immer noch in fatalem Maße abhängig sind, für uns alle.

Beim dritten absehbaren Problemfeld für dieses Jahr, den Zentralbanken, kommen diese Risiken zusammen. Denn viele Notenbanken, die schon zu Jahresbeginn entschlossen schienen, ihre sehr expansive Geldpolitik der Post-Covid-Normalisierung anzupassen, sahen sich plötzlich aus dem Ruder gelaufenen Inflationsraten gegenüber. Folgerichtig kündigten sie ein umso energischeres Einbremsen an, und die Anleihemärkte reagierten mit deutlichen Zinsanstiegen und den heftigsten Kursverlusten seit den 70er Jahren. Dabei befinden sich die Zen­tralbanken in einem Dilemma. Denn einerseits müssen sie angesichts hoher Inflation Handlungswillen demons­trieren. Schließlich ist es ihre Aufgabe, für ein stabiles Preisniveau zu sorgen. Andererseits liegen die Ursachen für die derzeitige Preisdynamik auf der Angebotsseite. Wenn etwa wegen Covid Lieferketten unterbrochen werden und sich Energie infolge des Krieges verteuert, sind dies Phänomene, gegen die Zinserhöhungen wenig ausrichten können. Die Notenbanken machen also das Beste daraus und richten ihr Augenmerk auf die Inflationserwartungen. Diese unter Kontrolle zu halten ist notwendig, um eine Lohn-Preis-Spirale und damit eine Verselbständigung der Inflationsdynamik zu verhindern. Es ist nicht so sehr die aktuelle, angebotsgetriebene Inflation, sondern vor allem die Erwartung weiter steigender Preise, die Zentralbanken im Auge haben, wenn sie jetzt viel kerniger als noch vor wenigen Monate eine ganze Reihe von Zinserhöhungen ins Fenster stellen und die Liquiditätsversorgung der Wirtschaft zurückfahren.

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