Ab in die Botanik

Gelb ist die Hoffnung

Von Johanna Kuroczik
16.02.2021
, 10:48
Der ewige Lockdown macht alle ganz Banane im Kopf. Was liegt da näher, als sich an deren Ursprung zu begeben, und wenn auch nur in Gedanken: Auszeit auf einer Bananenplantage.

Es herrscht Dauerregen, und ein grauer Tag verschwimmt mit dem nächsten. Mit leerem Blick stiert man auf den heimischen Bildschirm und wartet auf die Erlösung, auf die Nachricht, das alles vorbei ist; Pandemie, Maskenpflicht, Reisebeschränkungen. Doch das Ende bleibt fern, und so schwelgt man in vergangenen Sonnentagen. Für mein persönliches Fernweh eignet sich besonders die noch frische Erinnerung an das Häuschen inmitten einer Bananenplantage auf Teneriffa, wo ich im Dezember weilte.

Bananen auf einer recht dürren Vulkaninsel klingt kurios, tatsächlich hat die kanarische Banane sogar ein eigenes Qualitätssiegel der Europäischen Union; Mehr als 400.000 Tonnen „Plátano de Canarias“ werden im Jahr geerntet, davon fast 42 Prozent auf Teneriffa, der Großteil wird nach Spanien verschifft. Die Banane ist seit dem späten 19. Jahrhundert das wichtigste Exportgut der Kanaren. Dank ewiger Sonne und feuchter Brise gedeihen die Früchte der Musa acuminata, Sorte Cavendish, hervorragend. Sie sind zwar klein, aber süß und saftig. Die Plantagen sind meist weniger als einen Hektar groß. Mietet man sich hier ein, hat man das Gefühl, in einem privaten Dschungel gelandet zu sein, es riecht sogar nach Urwald, denn die Pflanzen schwängern die Luft mit einer etwas muffigen doch zugleich frischen Schwere.

Mit ihren großen Blättern erinnern die Bananenpflanzen auf den ersten Blick an Palmen, doch es sind große Stauden, und ihr sogenannter Scheinstamm besteht nicht aus Holz, sondern aus stabilen Blättern. Morgens kann man die schattigen Pfade zwischen den Pflanzenreihen entlangjoggen und dabei die Früchte in den unterschiedlichen Reifestadien beobachten: Ein Mal bildet die Staude einen herabhängenden Blütenstand, aus jeder Blüte wachsen Bananen wie Finger einer Hand. Am Anfang sind die Früchte klein wie die Daumen eines Neugeborenen. Beim Wachsen recken sie sich zur Sonne, und wenn die „Finger“ so groß sind, dass sie sogar Bud Spencers Pranke überragen, wird der ganze Fruchtstand in eine schützende Plastiktüte gepackt. Mehr als dreißig Kilogramm können die Hunderte Früchte an einem Büschel auf die Waage bringen. Montags verfrachteten Arbeiter die Plastiksäcke auf ihre Trucks, und dann geht es für das Obst auf zu europäischen Supermärkten.

Seit einigen Jahren droht jedoch immer wieder der Bananen-Mangel; Schon lange breitet sich der aggressive Pilz TR4 aus. Schlägt der zu, ob in Taiwan oder Afrika, verwandelt sich das Fruchtfleisch in einen ekligen dunkelgrünen Matsch. In der Pandemie kommen nun Lieferschwierigkeiten für Obst aus Südeuropa hinzu, wie der Deutsche Fruchthandelsverband Ende Januar klagte. Dabei kursierte schon das Gerücht, Bananen würden vor Covid-19 schützen. Australische Forscher erklärten dies scheinbar in einem Video des staatlichen Fernsehsenders ABC, das in sozialen Medien im Frühjahr verbreitet wurde. Das Filmchen war freilich ein Fake.

Zwar wird an einem Proteins namens „BanLec“ aus Bananen geforscht, das gegen Viren kämpfen kann: Es bindet unter anderem an Zuckermoleküle auf deren Oberfläche, so können die Viren nicht in Zellen eindringen. Ende Januar zeigte eine Studie in „PNAS“, dass ein modifiziertes Bananen-Lektin H84T Mäuse vor Influenza schützt, es kann auch HIV und Hepatitis-Viren abwehren. Reif für die Praxis ist dieser Ansatz noch lange nicht, und mit dem Verzehr der Südfrüchte hat er ohnehin nichts zu tun. Aber ob Heilsbringer oder Urlaubsparadies: Stoff zum Träumen bietet die Banane in diesen Zeiten allemal.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Kuroczik, Johanna
Johanna Kuroczik
Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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