Dutzende Fälle in Europa

Welche Empfehlungen es bei einer Affenpocken-Infektion gibt

Von Sonja Kastilan
23.05.2022
, 19:47
Affenpocken
In Europa sind mittlerweile dutzende Fälle von Affenpocken bestätigt worden. Betroffene leiden meist unter milden Symptomen, doch ihnen wird Isolation empfohlen, um Empfindlichere zu schützen. Auch vor Haustieren sollten Infizierte Abstand halten.
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Die Zahl der gemeldeten Fälle von Affenpocken ist nach dem vergangenen Wochenende weiter gestiegen, und sie wird wohl noch zunehmen. Von 67 Menschen in neun EU-Staaten ist mittlerweile bekannt, dass sie sich seit dem 15. Mai in Europa mit dem Virus angesteckt haben, das gab das European Centre for Disease Prevention and Control, ECDC, am Montagnachmittag bekannt. In der Schweiz, Australien, Israel, Kanada und den USA sind sieben Infizierte bestätigt und mehr als zwanzig Menschen stehen unter dringendem Verdacht, ebenfalls infiziert zu sein. Da die Inkubationszeit zwischen einer und drei Wochen beträgt, ist in den kommenden Tagen mit neuen Fällen zu rechnen, obwohl es keine hochansteckenden Erreger sind.

In einem Bericht zum „Rapid Risk Assessment“ des ECDC wird unter anderem Kontaktpersonen empfohlen, sich anschließend 21 Tage lang selbst zu beobachten, ob ihnen Symptome auffallen. Die EU-Mitgliedsstaaten werden angehalten, die nötigen Mittel zur Diagnose, Behandlung und Prophylaxe (Impfstoffe) bereit zu halten. Man sei besorgt und beobachtet die Situation genau, hieß es, denn sie entwickle sich weiter. In Deutschland sind bislang sechs Fälle bestätigt, und für diese Krankheit besteht eine Meldepflicht seitens der behandelnden Mediziner, darauf weist das Robert-Koch-Institut auf seinem Informationsseiten zum Thema hin.

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Was, wenn sich die Katze ansteckt?

In der Regel verlaufen die Infektionen glimpflich. Und auch die meisten der aktuell Betroffenen haben laut ECDC nur leichte Beschwerden. Für die allgemeine Bevölkerung bestehe nur eine geringe Gefahr der Ansteckung, sagte die Medizinerin und ECDC-Direktorin Andrea Ammon. Wenn es jedoch zu engem Kontakt komme, etwa in Form sexueller Aktivitäten von Personen mit mehreren Geschlechtspartnern, müsse von einem hohen Übertragungsrisiko ausgegangen werden. Über die Schleimhäute oder feine Hautläsionen können die Viren in den Körper eindringen, was beim intensiven Küssen oder Reiben an den typischen Ausschlägen passieren kann und vermutlich diesen Ausbruch in Europa in Gang setzte. Schorf und Körperflüssigkeiten bergen ein Ansteckungsrisiko, auch eine Tröpfcheninfektion ist möglich.

Fieber, Muskelschmerzen und geschwollene Lymphknoten gehören zu den ersten Beschwerden. Darauf folgen Ausschläge, die oft vom Gesicht ausgehen und sich über den ganzen Körper ausbreiten können. Diese bläschenartigen Hautveränderungen traten bei einigen der derzeit Betroffenen zuerst in der Genitalregion auf. Solange diese Ausschläge nicht abgeheilt sind, wird empfohlen, den Kontakt mit anderen Menschen zu meiden, insbesondere mit Schwangeren, Immungeschwächten und Kindern, für die das Virus lebensgefährlich werden kann. Aber auch von Haustieren sollten sich Infizierte fernhalten: Wenn die Erreger vom Menschen auf Hund, Katze oder Maus überspringen, könnten die Affenpocken womöglich in Europa endemisch werden. Davor warnt das ECDC und rät allen Ländern deshalb, jetzt die Suche nach Kontaktpersonen zu verstärken und nicht nur die Gesundheitsbehörden einzubeziehen, sondern auch die Veterinärämter: Um zu verhindern, dass die Erreger unter Umständen auf Wildtiere übertragen werden.

Affenpockenviren (Monkeypox virus, Genus Orthopoxvirus) sind in West- und Zentralafrika unter Nagetieren verbreitet, Affen gelten als sogenannte Fehlwirte. Im Frühjahr 2003 wurden Affenpocken erstmals außerhalb des afrikanischen Kontinents nachgewiesen: Mit Nagetieren aus Ghana hatte man die Viren ungeahnt in die USA importiert, über Präriehunde steckten sich dann Tierhändler und -halter an. Ein Kontakt mit infizierten Tieren oder deren Ausscheidungen galt bisher als der häufigste Übertragungsweg, der aktuelle Ausbruch lenkt nun den Blick auf ein weiteres, ungewöhnliches Risiko.

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Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Kastilan, Sonja
Sonja Kastilan
Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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