FAZ plus ArtikelAffenpocken

Welche Rolle spielen stille Infektionen?

Von Sonja Kastilan
07.08.2022
, 08:10
Affenpocken unterm Rasterelektronenmikroskop
Mehr als 26.800 Affenpocken-Fälle sind inzwischen weltweit registriert. Und vermutlich spielen asymptomatische Verläufe eine Rolle für die Verbreitung des Erregers.
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Die Weltkarte zum aktuellen Ausbruch der Affenpocken ist im Vergleich mit der zu Covid-19 – mit inzwischen mehr als einer halben Milliarde von Infizierten und fast sechseinhalb Millionen Todesopfern – übersichtlich. Die amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention, CDC, dokumentieren online, wie sich die Affenpocken verbreiten. Die Liste der betroffenen Länder lässt sich dort alphabetisch oder nach Anzahl der Fälle abrufen: Andorra zum Beispiel hat erst drei Fälle gemeldet, während die Vereinigten Staaten bis Freitag, 5. August 2022, seit Anfang des Jahres schon mehr als 7000 Infizierte regis­trierten, gefolgt von Spanien (4577), wo außerdem die ersten zwei Todesfälle in Europa zu beklagen sind, Deutschland (2839), Großbritannien (2759), Frankreich (2339), Brasilien (1474), vor den Niederlanden und Kanada. Damit wird deutlich, dass sich das Infektionsgeschehen mit rund 27.000 Fällen derzeit hauptsächlich in Ländern abspielt, in denen die Affenpocken nicht endemisch sind wie in West- und Zentralafrika – es aber durchaus werden könnten.

Dass der Erreger in Europa oder Nordamerika in Wildtieren ein Reservoir findet, gehört zu den großen Sorgen dieser Epidemie, die von der Weltgesundheitsorganisation am 23. Juli zu einer „gesundheitlichen Notlage mit internationaler Tragweite“ erklärt wurde. Eine andere ist, dass der Erreger vermehrt auf Teile der Bevölkerung übergreift, die nicht zu der ad hoc betroffenen Risikogruppe homosexueller Männer zählen, aber gefährdet sind, schwer zu erkranken. Was etwa der Fall eines zehnjährigen Jungen befürchten lässt, der Ende Juni in einer Amsterdamer Notaufnahme vorstellig, mit Affenpocken diagnostiziert, entsprechend behandelt und beobachtet wurde. Wie oder wo er sich angesteckt hatte, ist ein Rätsel. Allerdings wurde bei diesem Kind eine leichte Immunschwäche entdeckt, durch die es ihm an IgA-Antikörpern mangelt, was die Atemwege von Betroffenen wiederum anfälliger für Krankheitskeime macht. Und dieser Zusammenhang könnte beispielsweise eine Rolle gespielt haben für die Übertragung durch Tröpfchen, mutmaßen seine Ärzte in der dazu veröffentlichten Fallstudie.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Kastilan, Sonja
Sonja Kastilan
Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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