Die grünen Heilsbringer

Algen sollen helfen, den Klimawandel zu bremsen, neue Textilien zu schaffen, die Welt zu ernähren und unsere Gesundheit zu fördern. Was ist dran an den Versprechen?

28. Oktober 2021
Text: ALEX BOHN
Fotos: MIKAEL OLSSON

Dass Algen nützlich sein können, wussten die Arbeiter im Steinbruch von Varberg in Südwestschweden schon vor über hundert Jahren. Am Ende des Arbeitstages wuschen sie sich an der Meeresküste und nutzten den dort wachsenden Sågtång – zu Deutsch Sägetang, wegen seiner sägeblattartigen Zahnung –, um sich den Schmutz von der Haut zu reiben.

Aber mit den Vorzügen der mechanischen Reinigung gibt sich heute kaum noch jemand ab. Algen nehmen viele nur wahr, weil sie mitunter ihren Badespaß in Meer oder See stören, Forscher und Firmen aber sind fasziniert von ihren fast unglaublich anmutenden Qualitäten, das Gewächs gilt vielen geradezu als Heilsbringer: Als Proteinquelle sollen Algen helfen, den Hunger der wachsenden Weltbevölkerung zu stillen, mit ihrer Fähigkeit, durch Fotosynthese CO₂ zu binden, sollen sie die Folgen des Klimawandels mildern, die Pharma- und Kosmetikindustrie sieht sie als bislang unausgeschöpfte Quelle für Nährstoffe aller Art, die Modeindustrie versteht sie als schnell nachwachsende Ressource und Alternative zu herkömmlichen Rohstoffen, und das Problem der fossilen Brennstoffe sollen Algen als neuartiger Kraftstoff auch noch lösen.

Die felsige Küste von Varberg in Schweden
Die felsige Küste von Varberg in Schweden

Eine Geschichte aus der aktuellen Ausgabe des Magazins der F.A.Z. „Frankfurter Allgemeine Quarterly“

Jetzt abonnieren
Testen Sie unser Angebot.
Jetzt weiterlesen.
Testen Sie unsere Angebote.
F.A.Z. PLUS:

  FAZ.NET komplett

ANZEIGE