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Alles im grünen Bereich

Mit Bokashi die Welt retten

Von Jörg Albrecht
 - 10:39

Gute Vorsätze für das neue Jahr soll man rechtzeitig in die Tat umsetzen. Insbesondere dann, wenn man sich entschlossen hat, an einer „Revolution zur Rettung der Erde“ teilzunehmen. So heißt ein Ratgeber, den der japanische Gartenbauexperte Teruo Higa verfasst hat. Der eigene Beitrag zur Weltenrettung erfordert gar nicht viel. Man muss nur seinen gesamten Bioabfall in einen luftdichten Behälter werfen und eine Dosis „effektiver Mikroorganismen“ dazugeben, die man gegen Zahlung einer gewissen Summe über das Internet beziehen kann. Deckel drauf, und nach wenigen Wochen verwandelt sich der Inhalt in eine schimmlige Masse, die im günstigsten Falle nach Sauerkraut riecht. Das nennt sich „Bokashi“ und wird anschließend im Garten verbuddelt. Es soll wahre Wunder bewirken.

Wie darf man sich dieses erklären? Teruo Higas Theorie zufolge leben im Boden drei Gruppen von Mikroben. Die positiven bauen auf, die negativen zersetzen, und dazwischen tummelt sich die große Masse der Opportunisten, die zur jeweils vorherrschenden Fraktion überlaufen. Gibt man nun eine relativ kleine Menge an aufbauenden Mikroorganismen hinzu, entsteht ein günstiges Milieu, in dem sich alle Bewohner wohl fühlen und Nährstoffe auf harmonische Weise freigesetzt werden.

Angaben über die Zusammensetzung des segensreichen Mikrobenmixes finden sich nur sporadisch. Meist genügt der Hinweis, dass es sich um Milchsäurebakterien, Hefen und gewisse Purpurbakterien handele, die in der Lage sind, Photosynthese zu betreiben. Man könne das auch dem Viehfutter beimengen, als Gebräu zur Sanierung des Darms trinken und als Tinktur auf die Haut auftragen. Ambitionierte mischen effektive Mikroorganismen in Wandfarbe oder verbacken sie zu Keramik, die auf geheimnisvolle Weise Schadstoffe aus dem Trinkwasser filtert.

Wer Genaueres wissen will, kann bei Google nach dem US-Patent mit der Nummer 4985060 suchen. Darin beschreibt Teruo Higa einen Bodenverbesserer, der aus vier Teilen Kohlenasche, vier Teilen Schlacke und zwei Teilen Zeolith besteht, einer Aluminium-Silicium-Verbindung, die zahlreiche Mikroporen aufweist und Stoffe adsorbieren kann. Das alles wird mit Zuckermelasse getränkt, die verschiedenen Mikroorganismen-Stämmen als Nährboden dient. Higa nennt im Einzelnen Vertreter der Streptokokken, der Lactobazillen, der Zuckerhefen, der Candidahefen und Bakterien aus der Familie der Rhodospirillaceae. Manche davon sind nicht ganz unbedenklich. Dazu nächste Woche mehr.

Quelle: F.A.S.
Jörg Albrecht
Verantwortlich für das Ressorts „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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