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Ab in die Botanik

Flora Antarctica

Von Ulf von Rauchhaupt
Aktualisiert am 15.02.2020
 - 17:53
Eingeschleppt: Forscher und Touristen bringen ortsfremde Sporen und Samen mit auf die antarktische Halbinsel.
Auch wenn viele andere Pflanzen die Antarktis im Namen tragen, wächst hier nur Süßgras und ein Nelkengewächs. Doch die einheimische Blütenflora verändert sich. Der Klimawandel ist aber nicht der einzige Auslöser.

Gut ist, was knapp ist. Um diesen Satz ließe sich eine ganze Theorie der Unmöglichkeit irdischer Paradiese bauen. Aber es fehlt nicht an Beispielen dafür, dass er zutrifft. Nehmen wir den Begriff Oase. Er bezeichnet meist einen Ort üppigen Pflanzenwuchses inmitten einer Wüste. Doch wurde auch schon einmal eine kahle Fläche zwischen lauter Grün eine „Oase“ genannt: von zwei Wanderern aus Hobart auf Tasmanien, die in den 1960er Jahren auf einer Halbinsel im Südosten ihrer Heimat unterwegs waren und im Gestrüpp dort lange keinen Ort fanden, wo ihnen die Pflanzen auch nur Platz für ihre Schlafsäcke gelassen hatten. Da erschien ihnen jene kahle Felsfläche paradiesisch.

Ähnlich ging es auch Richard Heinrich Schirmacher, als er 1939 mit einem der beiden Flugzeuge der deutschen „Schwabenland“-Expedition über die Ostantarktis flog und im endlosen Weiß auf einmal ein 75 Quadratkilometer großes eisfreies Areal sichtete. Dabei wächst in der „Schirmacher-Oase“ rein gar nichts, jedenfalls gibt es keine Gefäßpflanzen. Allenfalls Flechten gedeihen auf dem Gneis, der dafür selbst in allen Farben leuchtet, die diesem hübschen Gestein möglich sind.

Die einheimische Blütenflora der Antarktis besteht überhaupt nur aus zwei Arten: einem Süßgras namens Deschampsia antarctica und dem Antarktischen Perlwurz (Colobanthus crassifolius), einem Nelkengewächs. Beide wachsen bislang nur auf der antarktischen Halbinsel, aber auch in Südamerika und auf etlichen subantarktischen Inseln, den Falklands etwa.

Antarktische Pflanzen

Tragen andere Pflanzen die Antarktis im Namen, verweist das meist nicht auf den kalten Kontinent, sondern auf das antarktische Florenreich, zu dem die Biogeographen außerdem noch die Südinsel Neuseelands rechnen. Vor allem dort hat sich eine Pflanzenwelt erhalten, die noch am ehesten an die Vegetation des in der Jurazeit zerbrochenen Kontinents Gondwana erinnert. Die meisten seiner Bruchstücke, etwa Indien, Afrika, aber auch Australien, haben längst an andere Weltgegenden angedockt und wurden von dort ansässigen Gewächsen infiltriert. In der Antarktis selbst ist es zu kalt geworden.

Das ändert sich jetzt. Zwar wohl noch nicht so bald auf der Hauptlandmasse, aber auf der antarktischen Halbinsel. Schon haben sich dort mehrere Neophyten breitgemacht. Einem kürzlich in Global Change Biology erschienenen Review zufolge ist der Klimawandel aber nicht die Hauptursache dafür, dass sich die Flora der antarktischen Halbinsel in den nächsten Jahrzehnten weiter verändern dürfte. Da wären zum einen noch die Touristen. In der Saison 2017/2018 stürmten 42.000 von ihnen die antarktischen Gestade.

Ortsfremde Sporen und Samen kleben aber nicht nur an ihren Schuhen, sondern vor allem auch an der Fracht für Forschungsstationen, von denen es auf der Halbinsel besonders viele gibt. So wurden bei dem Bau der britischen Station Halley VI schätzungsweise 5.000 Samen aus 34 Pflanzengruppen eingeschleppt. Allein an den eingesetzten vier Baumaschinen klebten 132 Kilo Erde voller Organismen vom Bakterium bis zur höheren Pflanze. Zwar liegt Halley VI zu weit südlich, um den meisten davon eine neue Heimat bieten zu können, doch auf der eigentlichen Halbinsel dürfte der Kampf gegen die Invasoren langfristig vergeblich sein. Der Mensch wirkt wie eine plötzlich aufgetauchte Landbrücke zum Südkontinent und lässt dessen angestammte Flora zum schützenswerten Gut werden. Gut, weil wahrscheinlich bald knapp.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Rauchhaupt, Ulf von (UvR)
Ulf von Rauchhaupt
Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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