Mehr als 17.000 Jahre alt

Australiens älteste Felsenmalerei zeigt großes Känguru

Von Till Fähnders, Singapur
23.02.2021
, 14:27
Zwei Meter groß: Mehr als 17.000 Jahre alt ist die Felszeichnung eines Kängurus in Kimberley in Westaustralien. Die Bildmontage zeigt links ein Foto des Felsens, rechts eine zu Papier gebrachte Kopie davon.
Forscher haben die älteste komplette Felsenmalerei Australiens datieren können. Sie nutzten dafür Wespennester.

Ein von Aborigenes gefertigtes Bild eines Kängurus ist die älteste bekannte Felsenmalerei Australiens. Ein Team aus Wissenschaftlern und Ureinwohnern habe herausgefunden, dass das etwa zwei Meter große Ockerbild des Beuteltiers 17.000 Jahre alt sei, berichtete die University of Western Australia (UWA) am Dienstag.

Zwar gibt es Hinweise auf noch ältere Malereien, aber nur als Teile von Felsen und Pigmenten, nicht als komplette Malerei. Dabei war es den Wissenschaftler zufolge nicht möglich, das Alter des Bildes mit der Untersuchung von Farbpigmenten festzustellen. Die Datierung des Höhlengemäldes gelang den Wissenschaftlern aber mit Hilfe der Überreste alter Wespennester.

Die Methode hat der Forscher Damien Finch von der Universität Melbourne entwickelt. Dabei wird mit der Radiokarbonmethode das Alter der Malereien anhand von Schlamm- und Kohleresten aus den Wespennester geprüft. Durch Nester auf den Malereien ließe sich das minimale Alter bestimmen, durch Nester unter den Malereien ein maximales Alter. Insgesamt hatten die Forscher 27 Nester aus acht verschiedenen Höhlen in den Kimberleys geprüft, einer Region in Westaustralien, die für ihre reichhaltige Höhlenmalerei bekannt ist. Das Känguru wurde dabei auf ein Alter von 17.500 bis 17.100 Jahren bestimmt, mit einem wahrscheinlichen Alter von 17.300 Jahren.

Wichtige Erkenntnisse über indigene Geschichte

Neben dem Känguru hatten die Forscher auch 15 weitere Bilder untersucht, darunter von einer Schlange und einer Echse. Das jüngste unter den untersuchten Bildern war 13.100 Jahre alt. Die Wissenschaftler hatten ihre Forschungsergebnisse am Montag erstmals in der Fachzeitschrift „Nature Human Behaviour“ vorgestellt. Sie erhofften sich durch ihre Forschung vor allem Erkenntnisse über die damaligen Lebensbedingungen der Ureinwohner. Zu der Zeit endete etwa die letzte Eiszeit, es war kühler und trockener und die Ozeane waren flacher. „Es ist wichtig, dass indigenes Wissen und indigene Geschichten nicht verloren gehen und mit späteren Generationen geteilt werden“, erklärte die Aborigine-Vertreterin Cissy Gore-Birch.

Aus ihrer Forschung schließen die Wissenschaftler unter anderem, dass die frühen australischen Felsenmaler in dieser Zeit einen naturalistischen Stil bevorzugten, in dem häufig Tiere und seltener auch Pflanzen gemalt wurden. In einer späteren Phase, die als Gwion bezeichnet wird, seien vor allem Menschen dargestellt worden. „Die Felsenmalerei besser zu datieren ermöglicht uns, ein besseres Verständnis zu bekommen, wie die Ureinwohner von ihren Anfängen bis zur Gegenwart gelebt haben“, sagte Sven Ouzman von der UWA. Das Känguru-Motiv erinnere an Felsenmalereien auf südostasiatischen Inseln und lege deshalb eine kulturelle Verbindung nahe. Anfang des Jahres hatten Forscher über die Entdeckung der ältesten Höhlenmalerei der Welt auf der Insel Sulawesi berichtet. Das 45.000 Jahre alte Bild zeigt ein Wildschwein in Lebensgröße.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Fähnders, Till (fäh.) (Bild)
Till Fähnders
Politischer Korrespondent für Südostasien.
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