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Archaeopteryx hat einen Cousin

Von Diemut Klärner
22.05.2019
, 18:31
Ein Fossil entpuppt sich als zweiter flugfähiger Urvogel aus dem Zeitalter des Jura. Alcmonavis poeschli war nicht nur größer, er konnte vermutlich sogar besser fliegen als sein berühmter Zeitgenosse.

Der Urvogel Archaeopteryx wurde zur passenden Zeit entdeckt. Zwei Jahre zuvor – im Jahr 1859 – hatte Charles Darwin gerade sein zweibändiges Werk über die Entstehung der Arten veröffentlicht. Mit seiner Evolutionstheorie postulierte er die Existenz von Übergangsformen zwischen verschiedenartigen Organismen. Als ein solcher „missing link“ kommt der taubengroße Urvogel daher: Er hat Zähne und eine lange Schwanzwirbelsäule, wie bei Echsen üblich. Aber auch Federn und Flügel, mit denen er vor rund 150 Millionen Jahren an der Küste des einstigen Jurameers herumflattern konnte. Nun stellen Oliver Rauhut von der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie in München und Christian Foth von der Université de Fribourg einen weiteren Urvogel aus dem Jura vor: Er ist etwas größer als Archaeopteryx und anscheinend besser fürs Fliegen ausgerüstet.

Das fragliche Fossil stammt aus Solnhofener Plattenkalken nicht weit von der ersten Fundstelle eines Archaeopteryx. In der Online-Zeitschrift „eLife“ beschreiben die Paläontologen den neuen Urvogel, der den wissenschaftlichen Namen Alcmonavis poeschli erhalten hat. Im Gattungsname steckt „Alcmona“, der keltische Name für die Altmühl, deren mäandrierender Flusslauf den Fränkischen Jura prägt, und „aves“, die wissenschaftliche Bezeichnung für Vögel. Der Artname „poeschli“ ehrt Roland Pöschl, der das Fossil vor zwei Jahren gefunden hatte. Anders als einige Urvögel vom Typ Archaeopteryx präsentiert sich Alcmonavis weder als komplettes Skelett, noch sind Spuren des Gefieders erhalten. Von diesem Urvogel wurden nur die Knochen eines einzigen Flügels versteinert geborgen, einschließlich der Krallen mit ihren spitz zulaufenden Hornscheiden.

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Quelle: F.A.Z.
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