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Genetische Geschichte

Die Mischung macht es

Von Jörg Feuchter
 - 09:00
Detail eines Pferdemassengrabs, das 2010 bei Maastricht entdeckt wurde.
Es wurde vielleicht während einer der Belagerungen der Stadt 1632 und 1673 angelegt.

Die genetische Vergangenheitsforschung boomt. In rascher Folge erscheinen naturwissenschaftliche Studien, die das Erbgut als Quelle nutzen. Zwar wurden DNA-Analysen schon im späten zwanzigsten Jahrhundert für die Vorgeschichte eingesetzt, so etwa 1987 zum Nachweis der Hypothese, dass der Mensch aus Afrika stamme. Doch konnte dabei nur DNA von Lebenden herangezogen werden, denn die Auswertung von Knochenfunden aus Gräbern war lange nicht zuverlässig genug. Moderne DNA lässt jedoch nur sehr bedingte Rückschlüsse zu. Vor etwa zehn Jahren begann die „a(ncient) DNA-Revolution“. Große öffentliche Aufmerksamkeit fanden die Entschlüsselung des Neandertaler-Genoms und die rein genetische Erschließung einer bis 2010 unbekannten vorzeitlichen Menschenart, des Denisova-Menschen.

Möglich wurde die technische Revolution durch neue Sequenzierungsverfahren und verbesserte Methoden zur Kontaminationskontrolle. Hinsichtlich des Alters der Knochen, aus denen Erbgut beprobt wird, scheint es jetzt kaum noch Grenzen zu geben. So wurde schon 700 000 Jahre altes Material erfolgreich analysiert, allerdings tierisches. Doch auch im Bereich der konventionell als historisch geltenden Epochen, also der letzten zwei- bis dreitausend Jahre, bringen die neuen Methoden bemerkenswerte Ergebnisse.

Der wichtigste Standort der aDNA-Forschung ist Deutschland. Schon seit 1997 besteht in Leipzig das Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie. 2014 kam in Jena ein Tochterinstitut für die Erforschung der Menschheitsgeschichte hinzu. Mit Leipzig und Jena konkurrieren können weltweit nur das Centre for GeoGenetics in Kopenhagen und das Labor von David Reich an der Harvard Medical School. Ein deutliches Zeichen für die Spitzenstellung deutscher Einrichtungen ist, dass das erste Welttreffen der zur Vergangenheit arbeitenden Genetiker hierzulande abgehalten wurde („Reconstructing the Human Past – Using Ancient and Modern Genomics”). Es fand im Frühjahr in der Reihe der Großkongresse des Europäischen Molekularbiologischen Labors in Heidelberg statt, was die Etablierung einer neuen Subdisziplin der Biologie markiert.

Kinderkrankheit einer Erfolgsdisziplin

Die Genetic History hat schon ihre populärwissenschaftlichen Bestseller, die prominente Forscher wie David Reich und Svante Pääbo, Leiter der Abteilung Evolutionäre Genetik am MPI Leipzig, verfasst haben, oder zuletzt Johannes Krause, Leiter der Abteilung Archäogenetik in Jena („Die Reise unserer Gene“). Diese drei waren auch wesentlich beteiligt am großen Heidelberger Symposium: Krause und Reich waren Mitveranstalter, Pääbo hielt die Eröffnungsrede. Darin verkündete der Gründervater der aDNA-Analyse, dass sie endgültig den Kinderschuhen entwachsen sei. Aus der Sicht des den Kongress beobachtenden Geschichtswissenschaftlers ist dieses Reifezeugnis jedoch insofern einzuschränken, als die Genetic History eine ihrer Kinderkrankheiten immer noch nicht losgeworden ist. Sie kooperiert immer noch viel zu wenig mit den traditionellen Vergangenheitsdisziplinen, insbesondere mit der Geschichte. Dennoch waren die mehr als vierzig Vorträge sowie die rund hundert Postervorstellungen in der Tat eine eindrucksvolle Demonstration der hochentwickelten technischen Leistungskraft des Forschungsfeldes.

Es gab vier zentrale Themen: Migration, Geschichte des Menschen sowie seiner Nutztiere.
Mehrere Referenten widmeten sich der menschlichen Erstbesiedelung Amerikas. Stephan Schiffels (Jena) und andere zeigten, mit welcher Genauigkeit inzwischen die Einwanderungen vor circa 19 000 Jahren über die damals trockenen Fußes passierbare Beringstraße und weiter bis zum Südkontinent nachvollzogen werden können. Ferner kann nun auch die konkurrierende Theorie einer transatlantischen Erstbesiedelung durch Angehörige der westeuropäischen solutreanischen Kultur aus genetischer Sicht definitiv verworfen werden. Allerdings kamen aDNA-Beprobungen von Knochen aus dem Brasilianischen Nationalmuseum gerade zum irritierenden Befund, dass bei einigen indigenen Gruppen wie den Botocudos die engsten Verwandtschaften nicht mit sibirischen, sondern mit australasiatischen und polynesischen Populationen bestanden (Diana Cruz Dávalos, Lausanne, und Maanasa Raghavan, Chicago). Das lässt sich kaum mit einer ausschließlichen Besiedlung Amerikas über die Beringstraße vereinbaren und stellt die Genetic History somit vor neue Rätsel.

Auch die Spezialisten für historische Pathogene beschäftigten sich mit Amerika. Kirsten I. Bos (Jena) machte plausibel, dass es sich bei der rätselhaften „Cocolitzli”-Epidemie, welche zwischen 1545 und 1555 wohl an die Hälfte der mittelamerikanischen Urbevölkerung dahinraffte, wahrscheinlich um Paratyphus handelte, den Europäer eingeschleppt hatten. Jedenfalls konnte Bos das entsprechende Bakterium in Zähnen aus einem mexikanischen Massengrab jener Zeit nachweisen. Und während das Bakterium in Europa bereits im Mittelalter vorhanden war, ist es bei den Skeletten, die auf jenem mexikanischen Grabplatz vor der spanischen Eroberung bestattet wurden, nicht auffindbar.

Wir hatten die Pest vor Ort

Einer viel früheren, ja vielleicht der ersten Pandemie der Weltgeschichte überhaupt auf der Spur war Nicolas Rascovan (Aix-Marseille). Er präsentierte den bisher ältesten bekannten Fall von Pest bei vor nahezu fünftausend Jahren gestorbenen, noch jungsteinzeitlichen Bauern im heutigen Schweden. Die Seuche soll sich während der zweiten Hälfte des vierten Jahrtausends vor Christus in relativ kurzer Zeit weit verbreitet haben, begünstigt durch die Entstehung erster größerer Siedlungen in Zentraleuropa, die Etablierung des Fernhandels und das vermehrte enge Zusammenleben von Menschen mit domestizierten Tieren. Somit sei die Pest in Europas Mitte, anders als bisher vermutet, schon vor der Ankunft der Steppenvölker vorhanden gewesen. Es sei also möglich, dass jene Völker bei ihrer Verdrängung der zentraleuropäischen Populationen von deren Schwächung durch die Pest profitierten.

Dass eine solche Masseneinwanderung aus den pontischen Steppen im dritten Jahrtausend vor Christus stattfand, ist wiederum selbst ein nur wenige Jahre altes, öffentlich stark wahrgenommenes Resultat von aDNA-Forschungen. Bis dahin war man nur von zwei jungsteinzeitlichen Großpopulationen in Europa ausgegangen: Zum einen von einer Bevölkerung von nomadischen Jägern und Sammlern, zum anderen von sesshaften Hirten und Ackerbauern, die über Anatolien und den Balkan hinzukamen. Die 2015 rein genetisch erschlossene östliche Großmigration machte dieses duale Modell obsolet.

Verblüffend waren auch die Resultate der Studien zum frühbronzezeitlichen Lechtal, die Philipp Stockhammer vorstellte, ein Archäologe von der LMU München, der zugleich auch am Jenaer MPI forscht und damit für die relativ große Offenheit seiner Heimatdisziplin gegenüber den neuen Methoden steht. Genetische und geochemische Analysen von Bestattungsplätzen neben den Lechtaler Hofstätten ergaben, dass die dort begrabenen Frauen überwiegend als junge Erwachsene aus einer Region in weiter Ferne gekommen waren, während die Männer nahezu alle aus lokalen Linien stammten. Dieses über fast ein Jahrtausend konsequent durchgehaltene Muster von männlicher Patrilokalität und weiblicher Exogamie wird noch erstaunlicher durch den Umstand, dass von den fremden Frauen keine leiblichen Kinder in den Gräbern zu finden waren. Stockhammer fragte sich, ob es hier eine Kultur der Stief- oder Pflege-Beziehungen gab.

Das Geheimnis der Isländerinnen

Über eine weitere Gesellschaft, in der die Geschlechter diverser Herkunft waren, sprach Agnar Helgason (Reykjavík): Im siedlungszeitlichen Island vor der ersten Jahrtausendwende stammten die Männer aus Skandinavien, die Frauen aber von den britischen Inseln. Diese Befunde waren bereits seit längerem aus der DNA heutiger Isländer erschließbar, werden aber jetzt auch von aDNA-Studien gestützt. Spannung weckte Helgason mit der Ankündigung, dass man mittlerweile auch die genaue skandinavische Herkunftsregion der männlichen Island-Besiedler identifiziert habe. Welches Gebiet das sei, wollte er aber vor der Veröffentlichung der Studie nicht verraten.

Ohnehin zeichnete sich das Symposium dadurch aus, dass viele Redner ganz neue, unpublizierte Ergebnisse vorstellten, über die noch nicht berichtet werden darf. Das gilt aber nicht mehr für Ludovic Orlando (Toulouse/Kopenhagen), der die bisher umfassendste Studie zur genetischen Geschichte der Pferde von der Urzeit bis heute präsentierte. Denn diese ist kurz nach der Tagung in der Zeitschrift „Cell“ erschienen. Die von Orlando geleitete Untersuchung ist ein neuer Meilenstein der Genetic History. Sie wartete gleich mit mehreren wichtigen Entdeckungen zu dem die menschliche Geschichte tief prägenden Nutztier auf.

Am bemerkenswertesten ist, dass im siebten bis neunten Jahrhundert das persisch-arabische Pferd nicht nur zu den davor in Europa und Asien vorherrschenden Rassen hinzugetreten sei, sondern sie weitgehend verdrängt habe. Den zuhörenden Historiker frappierte die zeitliche Koinzidenz mit der politischen Expansion des Islam, und auch mit der wenig später erfolgenden Durchsetzung des schwerbewaffneten Kriegers zu Pferde, also des Ritters, als Zentralfigur des Hoch- und Spätmittelalters. Ferner stellte die Studie eine massive Reduktion des Genpools der Reittiere durch die intensive, stark selektive Züchtung in den letzten Jahrhunderten fest. Ähnliche Diversitätsschwunde wurden in Heidelberg von anderen Referenten übrigens für weitere von Menschen kultivierte Tiere wie Hund und Katze konstatiert. Orlando berichtete daneben von ausgestorbenen iberischen und sibirischen Urpferden, von denen weder Hauspferde noch die verwilderten Przewalski-Pferde abstammen. Vielmehr handelt es sich um tierische Äquivalente zu den ausgestorbenen Menschenarten, den Neandertalern und Denisovanern.

Wird das Artenkonzept aussterben?

Allerdings führte uns die aDNA-Revolution jüngst auch zu der Erkenntnis, dass sich die Menschenarten entgegen früheren Vermutungen sehr wohl vermischt haben. Deshalb tragen wir „anatomisch modernen“ Menschen meist auch einen geringen Anteil Neandertalergene mit uns. Überhaupt zählt die bisherige, auf morphologische Beobachtungen der Paläoanthropologie gegründete jüngere Artengeschichte des Menschen zu den Bereichen, die durch die genetischen Forschungsergebnisse völlig erschüttert wurden, bis hin zum Artenkonzept selbst. Auf dem Heidelberger Symposium wurde durch Beiträge mehrerer Wissenschaftler vor allem aus Leipzig deutlich, dass hier bis auf weiteres alles in Fluss ist.

Weiter in Bewegung scheint schließlich auch eine der Fragen, die schon zu den Evergreens der Genetic History zählt: die Migrationsgeschichte Großbritanniens zwischen Antike und Frühmittelalter. Wie viel Zuwanderung steckte hinter der kompletten Umformung des größten Teils des römisch geprägten Britannien zur angelsächsischen Kultur, die sich vom fünften bis achten Jahrhundert vollzog?

Diese Frage rührt tief an das englische und britische Identitätsgefühl, und entsprechend gibt es über sie einen ungelösten Streit schon seit dem neunzehnten Jahrhundert. Fand eine kontinentale Massenmigration statt – so die ältere Auffassung – oder bewirkte eine kleine Gruppe von Neuankömmlingen den großen Wandel, wie die jüngere Forschung überwiegend, doch keineswegs einhellig, meinte? Längst führen Historiker und Archäologen diesen Streit nicht mehr alleine. Denn schon 2002 hat sich die Genetik erstmals mit einer breit wahrgenommenen Studie auf Basis von moderner DNA eingeschaltet, die den weitgehenden Austausch der männlichen einheimischen Bevölkerung in England und Teilen von Wales durch eine Einwanderung vom Festland während des fünften bis siebten Jahrhunderts feststellen wollte. Genetische Publikationen dazu gibt es seitdem fast jährlich In Heidelberg präsentierte Joscha Gretzinger (Jena) frische Resultate aus aDNA-Analysen, die nun aber einen eher geringen Anteil an „germanischen“ Zuwanderern nahelegen.

Zwei Sorten von Gruppenbegriffen

Gerade an der Angelsachsenfrage wird deutlich, wie sehr genetische und archäologisch-historische Forschungen noch aneinander vorbeilaufen. So haben genetische Gruppenbegriffe eine andere Bedeutung als historisch-archäologische wie Kultur oder gar Volk. Geisteswissenschaftler gehen von einer zuallererst soziokulturell hergestellten Identität von Menschengruppen aus. Menschen gelten ihnen stets als durch mehrere Zugehörigkeiten bestimmt, nicht nur durch eine ethnische. Genetiker dagegen beschäftigen sich mit einer einzigen, in einer biologischen Materialität objektiv erschließbaren Abstammungsidentität, die sie mit Ethnizität möglichst eng zu verknüpfen suchen, um sie historisch relevant zu deuten.

Gleichwohl führt kein Weg daran vorbei, dass genetische, kultur-, sozial- und geschichtswissenschaftliche Forschungen in Verbindung gebracht werden. Da dabei die Konkurrenz um Deutungshoheiten zwischen den „zwei Kulturen“ sowohl bei Forschungsförderern wie in den Medien unweigerlich hineinspielt, wird dies nicht ohne Konflikte abgehen. Widerstände gibt es von vielen Seiten. So lassen sich, im Unterschied zu den Archäologen, bisher auch nur sehr wenige Historiker auf die Genetic History ein. Einige tun sie als bloße Hilfsmethode ab.

Doch das ist eine fahrlässige Fehleinschätzung der anstehenden Herausforderung. Denn anders als etwa die Radiokarbondatierung oder die Isotopenanalyse geht die Genetic History eben fast unwillkürlich mit dem Anspruch einher, unmittelbare Aussagen von großer Reichweite über menschliche Identitäten zu treffen, die immer auch bis in die Gegenwart reichen: Wieviel „Prozent Angelsachsen“ sind unter den Vorfahren der heutigen Briten? In unserem Zeitalter der epistemischen Genetisierung gilt DNA weithin als ein primärer Identitätsträger, ob einzelne Forscher oder auch ganze Fachkulturen das wollen oder nicht. Bezeichnend ist etwa, dass das Erbgut längst den Lebenssaft als biologische Metapher für Identität abgelöst hat. Wo wir früher davon sprachen, etwas „im Blut“ zu haben, sagen wir heute leicht dahin, dass etwas „in unserer DNA steckt“.

Das Erbe macht Ärger

Die Konsequenz eines historischen Nicht-Engagements mit der Genetic History wäre, dass diese weiter ungestört ihre eigene Wissensproduktion zur Vergangenheit etabliert, an der Geistes- und Kulturwissenschaftler nur peripher beteiligt sind, die aber höchst wirkmächtig in der Öffentlichkeit ist. Die Richtung der populären Rezeption liegt durchaus nicht immer im Sinne der Mehrheit der Genetiker selbst, wie sich nach der deutschen Debatte um Thilo Sarrazin auch bei dem Buch „A Troublesome Inheritance: Genes, Race and Human History“ (Penguin 2014) des ehemaligen Wissenschaftsjournalisten der „New York Times“, Nicholas Wade, zeigte, das in der Genetic-History-Community überwiegend verurteilt wurde.

So sah sich David Reich veranlasst, selbst ein Plädoyer in Buchform abzugeben. Darin forderte er, auf strikt wissenschaftlicher Basis über genetische Unterschiede zu sprechen – wobei ihm sein Buch selbst wiederum erhebliche Vorwürfe eintrug. Auch Johannes Krause distanziert sich in „Die Reise unserer Gene“ deutlich von der Indienstnahme genetischer Forschung durch Unberufene.

Es dürfte nicht zuletzt solchen Auseinandersetzungen zu verdanken sein, dass inzwischen mehr und mehr Genetiker die Kooperation mit den anderen Vergangenheitsdisziplinen für nötig halten. Eine gewisse Tendenz zur interdisziplinären Konvergenz ist auch das Fazit der ersten, überaus lesenswerten wissenschaftshistorischen Studie zur Geschichte der aDNA-Forschung, die Elsbeth Bösl vorgelegt hat („Doing Ancient DNA“, transcript 2017).

Modellstudie im Karpatenbecken

Heidelberg war immerhin eine Öffnung insofern zu beobachten, als auch einige Nicht-Genetiker Vorträge halten durften. Neben dem in Jena eingebundenen Archäologen Stockhammer sprachen zwei Mittelalterhistoriker. Patrick Geary (Institute for Advanced Study, Princeton) und Michael McCormick (Harvard) sind Pioniere der Kooperation mit Naturwissenschaftlern. Beide riefen Genetiker wie Historiker zu wechselseitigem Lernen auf.

Geary hat 2018 eine von ihm maßgeblich konzipierte, modellhaft interdisziplinäre Genetic-History-Pilotstudie zur Völkerwanderungszeit vorgelegt. Soeben hat der European Research Council ihm und seinen Partnern einen großen „Synergy Grant“ für eine umfassende Analyse von Gräbern jener Zeit im gesamten Karpatenbecken bewilligt. In seinem Vortrag forderte Geary jeden beteiligten Forscher auf, zumindest zum „informed consumer of other disciplines“ zu werden, und er warnte speziell die Genetiker vor der Gefahr der „story invention“, welche ohne die Entwicklung gemeinsamer Studiendesigns drohe.

Aus dem Publikum wurde dagegen der Einwand laut, dass Genetiker ihre Fakten doch mit den Narrativen der Historiker nur verwässern würden. Dies blieb zwar eine Einzeläußerung. Gleichwohl ist es sicher noch ein weiter Weg, bis integrierte genetisch-archäologisch-historische Forschung der Normalfall sein wird. Eine Gelegenheit zur Überprüfung, ob mehr wechselseitige „Reflexivitätsgewinne“ (Bösl) eingetreten sind, wird sich schon 2021 bieten. Für dieses Jahr haben die Organisatoren des Heidelberger Symposiums eine Wiederholung in Aussicht gestellt.

Quelle: F.A.Z.
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