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Animation: Jens Giesel / Quelle: JMA

Die Feuerwalze rollt

Von JOACHIM MÜLLER-JUNG, Grafik: JENS GIESEL
Animation: Jens Giesel / Quelle: JMA

12.01.2020 · Neue Starkwinde, noch mehr Hitze – der Südosten Australiens steht immer großflächiger in Flammen, die Feuerwehren führen einen verzweifelten Kampf. Zeitrafferaufnahmen und Satellitenfotos zeigen eine verheerende Brandkatastrophe.

Wann endet die Feuerkatastrophe im Südosten Australiens? Es kann nicht ewig brennen, so viel steht fest, im März endet normalerweise die Brandsaison in diesem Teil des Kontinents.  Doch was ist heute normal Down Under? Viele der mehr als hundert Busch- und Waldbrände in New South Wales, dem am stärksten betroffenen Bundesstaat, haben sich dank der erneut über vierzig Grad gestiegenen Temperaturen und Starkwinden mit Böen über siebzig Stundenkilometer weiter ausgebreitet und mit Bränden im benachbarten Viktoria vereint.  „Megafeuer“ heißen sie jetzt. Mindestens 600.000 Hektar sollen aktuell brennen, viele Feuer sind unkontrollierbar. Die Rauchschwaden und Schadstoffe trüben seit Tagen die Luft jenseits der australischen Küsten und Metropolen bis nach Südamerika. Zwischenzeitlich hatte die Ausdehnung des Qualms in der Atmosphäre eine Fläche von zwanzig Millionen Quadratkilometer erreicht – genug, um ganz Russland und dazu ein Drittel Europas zu überdecken. 

Über 10 Millionen Hektar sind

bislang verbrannt

10,7 Mio.

Hektar

Grafik: Giesel / Quelle: Guardian (Stand: 10.01.2020)

Über 10 Millionen Hektar sind bislang verbrannt

10,7 Mio.

Hektar

Grafik: Giesel / Quelle: Guardian (Stand: 10.01.2020)

Hat der Südkontinent einfach nur Pech, ein ungewöhnlich schlechtes Jahr erwischt? Buschbrände kennt man seit Generationen, so wie in Sibirien, Afrika und Nordamerika. Immer brennt es irgendwo. Aber niemals seit Menschengedenken hat sich das Feuer vor den Toren von Sydney, Canberra und in Küstennähe so heftig, so ausdauernd, so erbarmungslos und so verlustreich ausgebreitet wie seit Ende 2019. Mindestens 27 Menschen, darunter mindestens drei Feuerwehrleute, sind ums Leben gekommen. Zu den mindestens zehn Millionen Hektar an Natur und Land, die schon verwüstet und zerstört worden sind (siehe Grafik), und dem milliardenfachen Verlust an Leben, kommen die wirtschaftlichen Folgen: Knapp 6000 Versicherungsfälle sind schon angemeldet, mindestens 1600 Grundstücke verwüstet, allein 1400 in New South Wales. Die geschätzten Kosten und Ausfälle gehen längst in die Milliarden Dollar. 

Satellitenaufnahmen vom 1. Januar 2020 Animation: Jens Giesel / Quelle: JMA

Für eine Bilanz ist es definitiv noch zu früh. Fest steht: Alle Erfahrung im Umgang mit Bränden hat die Eskalation nicht verhindert, die Verantwortlichen haben die seit Jahren sich anbahnende Verschärfung des Feuerrisikos massiv unterschätzt. Australien ist der von flächendeckender Trockenheit am stärksten bedrohte Kontinent.  Schon vor zehn Jahren hatten die nationalen Forschungsinstitute vor zunehmender Trockenheit und sukzessive höheren Temperaturen gewarnt, Folgen der globalen Erwärmung der Luft und der Ozeane. Die Weltmeteorologiebehörde WMO hat diese Woche gezeigt: Die zurückliegenden drei Jahre waren im Südosten die trockensten in der Geschichte, nicht nur im Sommer, vor allem in den Regenmonaten zwischen April und September.  Der höchste Wert auf der internationalen Waldbrandindex-Skala, FFDI-1, war schon im Frühjahr 2019 für den Großteil Australiens festgestellt worden, auf 60 Prozent des ohnehin großteils ariden Kontinentes hatten die Indices historische Rekordmarken erreicht.  Verglichen mit  Anfang der neunziger Jahre fällt in ganz Australien mittlerweile elf Prozent weniger Regen in der niederschlagsreichen Jahreszeit. Die Katastrophe war also prorammiert, und die entscheidenden Stellgrößen lieferte der Klimawandel. Die Zahl der gefährlichen Brandtage hatte sich schon lange vor Beginn der aktuellen Feuerkrise kontinuierlich vergrößert. Und nicht nur der Süden Australiens ist immer stärker gefährdet, auch im Norden nimmt die Brandgefahr seit Jahren zu.

Satellitenaufnahmen vom 4. Januar 2020 Animation: Jens Giesel / Quelle: JMA

Eine Temperaturanomalie von plus 1,5 Grad über dem langjährigen Mittel ist für einen ganzen Kontinent unerreicht. Nie war es in Australien so heiß seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen wie 2019, noch nie so trocken. In der Region Nullarbor im Süden waren am 19. Dezember 49,9 Grad gemessen worden. Die extreme Trockenheit ist auch das Ergebnis des extremen „Indischen Nino“ – dem Indischen-Ozean-Dipols -, einer zyklischen Temperaturanomalie im Indik, die zusätzlich Feuchtigkeit aus dem Süden Australiens in den Norden abzieht. 

Entwicklung der Brände von November 2019 bis Januar 2020
Satellitenbild vom 08. November 2019
15. November 2019
19. November 2019
28. November 2019
05. Dezember 2019
09. Dezember 2019
17. Dezember 2019
27. Dezember 2019
03. Januar 2020
06. Januar 2020
Satellitenbild vom 08. November 2019 Quelle: JMA
15. November 2019 Quelle: JMA
19. November 2019 Quelle: JMA
28. November 2019 Quelle: JMA
05. Dezember 2019 Quelle: JMA
09. Dezember 2019 Quelle: JMA
17. Dezember 2019 Quelle: JMA
27. Dezember 2019 Quelle: JMA
03. Januar 2020 Quelle: JMA
06. Januar 2020 Quelle: JMA

Insgesamt also verschlechterten sich die Feuerbedingungen zuletzt extrem, es braucht jeweils nur einen Funken, um die Vegetation in Brand zu setzen. Waren womöglich Brandstifter am Werk? Ist das Klima am Ende gar nicht schuld? Eine großangelegte Desinformationskampagne vor allem in den sozialen Medien sollte diese These stützen, politisch gestützt ganz offenkundig, um von den klimatischen und ökologischen Verschlechterungen als Risikofaktor abzulenken. Doch die offiziellen Zahlen der Polizeibehörden können das bisher auch nicht belegen, auch die australische Feuerwehr spricht nicht von ungewöhnlich vielen Verdachtsfällen für Brandstiftung in dieser Saison. Die Feuer haben es einfach leichter, sich schnell auszubreiten. Die weit überwiegende Zahl der Feuer wurde wohl wie in früheren Jahren durch Blitze verursacht, die aus den gewaltigen Feuerstürmen und –gewittern entstehen, sowie durch achtloses Handeln bespielsweise mit Zigaretten, Geräten und Camping- und Haushaltsfeuern.  

Dramatisch anders als früher freilich sind die Folgen der Feuerkatastrophe. Das betrifft die wirtschaftlichen Schäden ebenso wie die Zerstörung einer einmaligen Natur und schließlich eine fatale Rückkoppelung im Klimasystem: Mehr als 400 Millionen Tonnen Kohlendioxid sollen dem europäischen Satellitenprogramm Cpernicus zufolge schon bis in die erste Januarwoche emittiert  worden sein, das ist mehr als die Jahresemissionen im Commonwealth-Schwesterstaat Großbritannien – wo dreimal so viele Menschen leben und wirtschaft wie in Australien. 

 

Quelle: F.A.Z.

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