FAZ plus ArtikelDigitaler Impfausweis

Freie Fahrt für digitale Bürger

Von Piotr Heller
30.05.2021
, 10:00
Hebräisch ist für die Digitalisierung der Impfbürokratie jedenfalls kein Problem: ein „Grüner Pass“  in Israel
Das „digitale grüne Zertifikat“ soll während der Covid-Pandemie Reisen in Europa erleichtern. Doch die Umsetzung des digitalen Impfausweises birgt einige Tücken – gerade in Deutschland.
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Am 12. November 2020 trafen sich Gesundheitsexperten der Europäischen Kommission mit einer auf Kryptographie spezialisierten Firma aus Estland. Noch war kein Impfstoff zugelassen. Dennoch besprach man, wie die EU-Staaten zukünftig Impfinformationen digital austauschen sollten, um Reisen zu ermöglichen. Anderthalb Monate bevor der erste EU-Bürger seine Dosis erhalten sollte, war die Idee eines europäischen Impfzertifikats geboren. Ein halbes Jahr später, am vorletzten Donnerstag, beschlossen Mitgliedstaaten und EU-Parlament, das „digitale grüne Zertifikat“ einzuführen. Technisch ähnelt es dem Konzept aus dem frühen Treffen. Doch nach wie vor sind nicht alle bereit mitzumachen.

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Laut Dachverband der Fluggesellschaften IATA ist das digitale Zertifikat aber nötig. Wer heute fliegen will, muss je nach Zielland seinen analogen Impfpass vorzeigen oder ein negatives PCR-Test-Ergebnis. Abgesehen davon, dass selbst ein unerfahrener Dokumentenfälscher ein gelbes Heftchen samt Chargen-Aufkleber und Arztstempel hinzaubern kann, stört der Papierkram die Abläufe beim Check-in. Die IATA beklagt, dass sich der Aufenthalt an Flughäfen zu Spitzenzeit auf drei Stunden verlängert – und das, obwohl das Passagieraufkommen nur 30 Prozent des Niveaus vor der Pandemie beträgt. Sollte diese Zahl auf 75 Prozent klettern, müssten Passagiere mit über fünf Stunden Wartezeit rechnen. Die IATA fordert daher digitale Impfnachweise. Die könnten auch den Zugang zu Museen, Konzerten oder Geschäften vereinfachen. So wie der im Februar eingeführte „Green Pass“ in Israel. Die App erlaubt es Geimpften, etwa Fitnessstudios oder Theater zu besuchen. Auslandsreisen ermöglicht sie nicht. England hat zwar eine App, die den Impfstatus anzeigen soll. Es kommt aber darauf an, dass andere Länder sie akzeptieren. Das tun laut Behördenangaben derzeit nur eine Handvoll.

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Quelle: F.A.S.
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