<iframe src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Klimadebatte

Diese Hitzköpfe

Von Joachim Müller-Jung
 - 17:23

Der Klimawandel trendet. Wer Twitter kennt, weiß, dass das nichts Gutes heißen muss, was da ein paar Umweltheißsporne siegesgewiss am Tag eins nach der Bekanntmachung des 1,5-Grad-Sonderberichts durchs Netz zwitscherten. Die Umweltbewegten hatten die Rechnung ohne die schrägen Vögel im Netz gemacht. Für die nämlich, die den Klimawandel als wünschenswerte Fortsetzung dieses Hitzesommers feiern oder Klimapolitik als Ökofaschismus interpretieren, kann es gar nicht besser laufen, als dass der Klimawandel im diffusen Meer der Kurznachrichten Oberwasser bekommt. Dann finden sie für ihre Kübel voll Hass und Spott besonders viele Abnehmer.

Unseriöse Spötter

In den Untiefen der Häme geht der politische Feingeist vollends mit baden, eine seriöse Behandlung der ökologischen Zukunftsfragen ist dann kaum noch möglich. Irgendwann fallen alle nur noch übereinander her. Schuld daran ist zumindest nicht der Klimarat, der am Montag sogar Rückendeckung von der Königlich Schwedischen Akademie erhalten hat, indem diese den Wirtschaftsnobelpreis ausgerechnet an zwei Ökonomen vergab, die der Welt erklären können, warum Marktökonomie und Klimawandel eng zusammenhängen.

Genützt hat die Preisvergabe nichts, die Debattenkultur zum Klimawandel war schon im Eimer. Das muss nicht heißen, dass das auch die reale Klimapolitik ernsthaft bedroht. Selbst der hochbezahlte Lobbyismus vermochte bisher keinen weiteren Staat dazu bringen, dem amerikanischen Präsidenten in seinen klimapolitischen Sumpf zu folgen.

Video starten

Weltklimarat schlägt Alarm
Die Erde wird schneller wärmer

Was die Debatte eher schon anheizt, ist die Häufung an Meldungen aus dem wissenschaftlichen Lager, die sich mit dem beschleunigten Klimawandel zwangsläufig vermehren und emotionale Reaktionen zusätzlich provozieren. Zu lesen war in den „Proceedings“ der amerikanischen Wissenschaftsakademien jetzt etwa der Befund, wonach mit der Zahl der Hitzewellen nicht nur die Zahl der Infarktopfer steigt, sondern eben auch das ohnehin schon wachsende Heer an psychisch kranken Menschen. Ein Grad mehr während langer heißer Wochen, und das über mehrere Sommer, so schreiben die Harvard- und MIT-Forscher, hat zwei Prozent mehr seelische Störungen zur Folge. Unglücklicherweise heizt der menschliche Schädel mit dem Klimawandel wohl zu schnell auf. Damit wird allerdings auch das Erscheinen von Hitzköpfen in der Klimadebatte immer wahrscheinlicher. Ein weiterer Grund, die Erderwärmung seriös anzugehen.

Quelle: F.A.Z.
Joachim Müller-Jung
Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.
Twitter
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenKlimawandelTwitterOzonloch