FAZ plus ArtikelGärtnern im Klimawandel

Her mit dem Gehölz

Von Andreas Frey
14.04.2022
, 13:36
Bäume haben auch in wärmerem Klima eine Zukunft. Doch es werden andere Arten sein.
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Ein Baum erst macht einen Garten zum Paradies. Doch im Zuge des Klimawandels kommen heimische Arten immer mehr an ihre Grenzen: Eichen setzt der Prozessionsspinner zu, Rosskastanien die Miniermotte. Platanen und Ahorne leiden an einer Pilzkrankheit, und selbst Buchen und Linden kämpfen gegen Schädlinge und Trockenheit. Noch schlimmer sieht es bei den Nadelhölzern aus. Die Fichte ist in tiefen und mittleren Lagen am Ende, selbst der Tanne wird es zu warm. Überrascht hat die Forstwissenschaftler das Leiden der Kiefer. Pinus sylvestris braucht wenig Wasser und kommt mit Trockenheit eigentlich gut zurecht. Weil sich einige Wälder trotzdem braun verfärbten, starteten Schweizer Forscher im Jahr 2003 ein ungewöhnliches Experiment: Im Pfynwald im Wallis, dem größten zusammenhängenden Kiefernwald des Landes, ließen sie es regnen. Ein Waldstück mit hundert Jahre alten Bäumen teilten sie in acht gleich große Parzellen, vier davon wurden fortan bewässert, die anderen vier dienten als Kontrollfläche.

Schon ein Jahr nach dem Installieren der Sprinkler zeigten sich erste Unterschiede: Die Kiefern auf den bewässerten Feldern bildeten längere Nadeln und breitere Baumringe. Später nahmen Stamm und Äste an Länge zu, nach wenigen Jahren verdichteten sich auch die Wurzeln. Die alten Kiefern erholten sich. Aus dem zunächst für wenige Jahre ausgelegten Experiment ist ein weltweit einzigartiges Langzeitprojekt geworden. Die Wissenschaftler lernten, wie sich ausgewachsene Bäume an neue Bedingungen anpassen. Die wesentlichen Erkenntnisse aus 15 Jahren Forschung haben die Forstwissenschaftler der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft kürzlich in den Ecological Monographs veröffentlicht. Sie konnten belegen, dass tatsächlich der Klimawandel die Ursache für das Kiefernsterben im Pfynwald ist.

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Quelle: F.A.S
Autorenporträt / Frey, Andreas
Andreas Frey
Freier Autor in der Wissenschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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