FAZ plus ArtikelKipppunkte im Erdklima

„Wir hätten diese Forschung viel früher beginnen müssen“

Von Hans Christoph Böhringer
27.10.2021
, 15:11
Zeuge des Klimawandels: Die Wärme  auf Grönland lassen die  von Russpartikeln getränkten Schmelzwasserflüsse zu   Süsswasserseen auf dem Eis anwachsen.
Der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber spricht über die roten Linien beim Klimaschutz. Und über den Plan B, falls die Menschheit doch darüber hinaus stolpert.
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Herr Schellnhuber, Sie haben vor mehr als zwanzig Jahren die Idee der Kipp-Elemente in die Klimawandelforschung eingebracht. Was war daran neu?

Als ich 1992 das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung gegründet habe, da gab es in der Agrarszene noch die naive Vorstellung: Na ja, wenn es wärmer wird, dann fällt die Kartoffelernte ein bisschen besser aus. Wenn es allerdings noch wärmer wird, dann sieht es mit der Ernte wieder schlechter aus. Und die Ökonomen meinten: Es geht einfach darum, die Kosten der Reduzierung von Emissionen gegen die proportional ansteigenden Schäden durch den Klimawandel aufzurechnen. Ich aber habe mich damals gefragt: Gibt es vielleicht rote Linien, die wir beachten müssen? Tatsächlich sind die linearen Modelle eine krasse Simplifizierung der Klimafolgen, denn die Welt ist voller sprunghafter Änderungen. Das bedeutet nicht nur, dass sich Schäden überproportional, ja exponentiell entwickeln dürften, sondern dass man an Punkte kommt, wo ein System wie der Regenwald komplett kollabieren könnte.

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