FAZ plus ArtikelGärtnern im Klimawandel

Weg mit dem Rasen

Von Andreas Frey
15.04.2022
, 10:53
Eine Kleinfamilien-Vorstadtidylle ohne Zukunft: Der Rasen hat ausgesorgt.
Makelloses Gras um das eigene Heim ist schon heute ein aufwendige Vergnügen. Eine Zukunft hat es nicht. Eine Alternative: die Blumenwiese.
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Was ist uns noch heilig? Natürlich der Rasen. Eher gäben die Deutschen freiwillig ihre Autos her, als dass sie auf ihren Grasteppich hinter dem Haus verzichteten. Ist der Garten noch so klein, der Rasen nimmt die größte Fläche ein. Und wir haben ziemlich klare Vorstellungen, wie er beschaffen sein sollte: homogen, getrimmt, dicht und saftig. Jeder Halm muss leuchten, jedem Unkraut sofort der Garaus gemacht werden. Und für dieses Ideal werden alle Ressourcen maximal eingesetzt: Dünger, Wasser, Schweiß.

Die modernen Hausgärtner haben eine Welt erschaffen, die mit dem ursprünglichen Konzept gärtnerischen Arbeitens völlig gebrochen hat. Die Fläche hinter dem Haus war ursprünglich dazu da, die Bewohner zu ernähren. Dort waren die Gemüsebeete. Mit Kohl und Kartoffeln kam man einigermaßen über den Winter. Nur der Adel konnte es sich leisten, auf seinen weitläufigen Anwesen keine Lebensmittel anzubauen. Rasen war ein Mittel zur sozialen Distinktion.

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Quelle: F.A.S
Autorenporträt / Frey, Andreas
Andreas Frey
Freier Autor in der Wissenschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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