Mosaic-Expedition

Die Polarstern ist zurück

Von Manfred Lindinger
12.10.2020
, 16:23
Das Forschungsschiff läuft in Bremerhaven ein.
Ein Jahr lang war das Forschungsschiff im Packeis eingefroren. Nun sind Crew und Polarforscher wohlbehalten in Bremerhaven zurückgekehrt, mit einem Schatz an Klimadaten an Bord.
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Nach einem Jahr in der Arktis ist das deutsche Forschungsschiff Polarstern am Montagmorgen wohlbehalten von seiner Expedition in seinen Heimathafen Bremerhaven zurückgekehrt. Auf ihren letzten Seemeilen wurde die 181 Meter lange Polarstern von zahlreichen Schiffen begleitet, von Land aus verfolgten viele Menschen bei blauem Himmel und Sonnenschein die Ankunft der Besatzung um Kapitän Thomas Wunderlich und der Wissenschaftler.

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Damit ist ein Teil der internationalen Mosaic-Expedition zur Erforschung klimarelevanter Prozesse in der zentralen Arktis unter der Leitung des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) zu Ende gegangen. Nun gilt es, den umfangreichen Schatz an gewonnenen Daten und Proben zu sichten und auszuwerten.

Das Projekt habe die Klimaforschung um Meilensteine vorangebracht, sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) bei der Begrüßung. Die Polarstern war nach zehnjähriger Planungsphase am 20. September 2019 vom norwegischen Tromsø aus zur bislang längsten Arktis-Expedition aufgebrochen. Während des Polarwinters ließ sich das Schiff im Eis einfrieren und mit einer Eisscholle rund 300 Tage in Richtung Nordpol treiben. Dreimal wurde die Besatzung aus Schiffscrew und Polarforschern gewechselt. Die Logistik und Versorgung waren aufgrund der Entfernung eine Herausforderung, die trotz Corona-Pandemie mit russischer Unterstützung gemeistert werden konnte.

Am Montag an der Polarstern: Expeditionsleiter Markus Rex, Forschungsministerin Anja Karliczek, Kapitän Thomas Wunderlich und AWI-Chefin Antje Boetius
Am Montag an der Polarstern: Expeditionsleiter Markus Rex, Forschungsministerin Anja Karliczek, Kapitän Thomas Wunderlich und AWI-Chefin Antje Boetius Bild: Getty

Während der Monate im Eis installierten die Forscher um Expeditionsleiter Markus Rex rund um das Schiff herum ein Netzwerk aus Messstationen, um meteorologische und klimarelevante Daten im Eis und in der Atmosphäre des Nordpolarmeers zu erfassen und unzählige Proben zu entnehmen. Es wurden rund 1000 Eisbohrkerne erbohrt, die in Containern an Bord der Polarstern lagern. Den Forschern ist es gelungen, den Einfluss des Klimawandels in der Polarregion erstmals ein ganzes Jahr lang an Ort und Stelle zu erforschen und zu beobachten.

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„Wir haben alles erreicht, was wir wollten, und bringen einen Datenschatz mit zurück, der die Wissenschaft dauerhaft verändern wird“, sagte Markus Rex nach Ankunft in Bremerhaven.

„Die Arktis ist eine der faszinierendsten Landschaften der Erde. Wir haben aber auch gesehen, wie das Eis verschwindet. Im Sommer war das Eis von der Wärme in der Nähe des Nordpols großflächig aufgeschmolzen und erodiert. Wenn wir die Klimaerwärmung nicht sofort und massiv bekämpfen, werden wir in einigen Jahren im Sommer eine eisfreie Arktis haben, mit unabsehbaren Folgen auch bei uns.“ Mit 150 Millionen Euro war die Expedition der Polarstern die bisher teuerste und aufwendigste im Nordpolarmeer. Beteiligt waren an der Mission mehrere hundert Forscher aus 20 Ländern von mehr als 70 Forschungsinstituten.

Quelle: F.A.Z.
Manfred Lindinger - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Manfred Lindinger
Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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