Studie zu Methan-Emissionen

Die acht Schritte der Viehhalter zum Klimaziel

Von Oliver Becht
11.05.2022
, 14:51
Anna Butz, Landwirtin in der Rinderzucht, streichelt ihren Ochsen Obelix in Tangstedt auf ihrer Weide.
Die Methanmengen aus der Viehhaltung müssen bis 2050 halbiert werden. Technisch machbar wäre das, die Rezepte dafür liefert eine internationale Studie, aber es braucht offensichtlich mehr als den Willen der Landwirte.
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Es ist auf den ersten Blick eine positive Nachricht. Die Methanemissionen der Viehhaltung können mit heute bekannten Methoden so stark gesenkt werden, dass die vom Weltklimarat IPCC formulierten Reduktionsziele bis 2030 erreicht werden. Nicht möglich sei auf gleichem Weg allerdings eine Einhaltung der Ziele für 2050, heißt es in einer Studie von Claudia Arndt und ihren Kollegen vom International Livestock Research Institute in Nairobi, die soeben in „PNAS“ erschienen ist.

Das internationale Forscherteam hat per Metaanalyse Maßnahmen zur Senkung von Methanemissionen in der Viehzucht zusammengestellt und die Effekte ihrer Anwendung untersucht. Sollen die Reduktionsziele für 2030 eingehalten werden, müssten die effektivsten Maßnahmen global umgesetzt und kombiniert werden. Dass das gleiche Vorgehen die Ziele für 2050 verfehle, führen die Forscher auf eine steigende Nachfrage nach Tierprodukten zurück. Diese sei gerade in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen und starkem Bevölkerungswachstum zu erwarten.

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Drei Methoden sind der Studie zufolge besonders effektiv und in der Lage, Methanemissionen pro produzierter Einheit zu verringern und gleichzeitig die Produktivität der Zucht zu erhöhen: Das Steigern der Futtermenge, die Verwendung von reiferem Futter sowie eine Verringerung des Verhältnisses aus Rau- und Kraftfutter. Im Schnitt könnten die Methanemissionen so um zwölf Prozent sinken. Fünf weitere Methoden zielen darauf ab, viehwirtschaftliche Methanemissionen ohne Produktivitätsverlust als Ganzes zu verringern: Die Verwendung methanhemmender Futtermittel, beispielsweise durch Zugabe der organischen Verbindung 3-Nitrooxypropanol; die Zugabe von Tanninen, die chemische Manipulation der Methanbildung im Pansen der Wiederkäuer sowie die Zugabe von Ölen, Fetten und Ölsamen. Hier seien durchschnittlich 21 Prozent weniger Emissionen die Folge. Weitere Ansätze, zu denen auch tiermedizinische Maßnahmen gehören, sind nach Angabe der Autoren aufgrund fehlender Literatur nicht berücksichtigt worden.

Methan, ein farb- und geruchloses Gas mit durchschnittlich 12,5 Jahren Lebensdauer in der Atmosphäre, trägt insbesondere kurzfristig zur Klimaerwärmung bei. In den zwanzig Jahren nach Freisetzung besitzt es im Vergleich zu Kohlenstoffdioxid das mehr als achtzigfache Treibhauspotential. Seit Mitte des neunzehnten Jahrhunderts hat sich die Methankonzentration in der Atmosphäre beinahe verdreifacht. Auf die Viehhaltung zurückzuführende Emissionen machen derzeit 30 Prozent des weltweiten Ausstoßes aus. Von den Autoren der Studie wird das 2018 vom Weltklimarat IPCC formulierte 1,5-Grad-Szenario genutzt, demzufolge Methanemissionen bis 2030 um 11 bis 30 und bis 2050 um 24 bis 47 Prozent sinken müssen.

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Es braucht auch Verhaltensänderungen

Die Ergebnisse bauen auf der Annahme auf, dass die Kombination von zwei oder mehr Maßnahmen in der Regel zu einer verstärkten Reduktion führt. Die Forscher gestehen ein, dass weitere Studien nötig seien, um diesen Zusammenhang genauer zu untersuchen. Experimentell bereits nachgewiesen werden konnte, dass Kombinationen aus Tanninzugabe, methanhemmenden Futtermitteln und Ölen zu verstärkten Reduktionen führen.

Technisch gibt es also alle Möglichkeiten, das erste Zwischenziel zu erreichen, realistisch aber sei es kaum – eher „unwahrscheinlich“. Es erscheine kaum möglich, jegliche Hürden aus dem Weg zu räumen, die eine globale Umsetzung der effektivsten Maßnahmen derzeit verhindern. Erst recht nicht für das 2050-Ziel. Nötig seien langfristig Verhaltensänderungen: die Abnahme von Lebensmittelabfällen etwa sowie die Förderung pflanzenbasierter Ernährung. Dies seien wichtige und dringend nötige Veränderungen.

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Quelle: FAZ.NET
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