FAZ plus ArtikelWarnungen vor der Apokalypse

Das Klima ist zum Gruseln

Von Andreas Frey
04.01.2021
, 12:14
Mit dem Jahr 2021 beginnt eine neue klimatologische Normalperiode. Vielleicht ein guter Zeitpunkt, sich einmal zu fragen: Sind apokalyptische Warnungen wirklich ein geeignetes Mittel zur Bekämpfung des Klimawandels?

Jahrzehntelang hatten Wissenschaftler gewarnt. Nun aber sehen wir Bilder, die alle Hoffnung auf ein gutes neues Jahr schwinden lassen: brennende Wälder, zu Staub zerfallenen Äcker, Todeszonen in den Meeren, Wirbelstürme, Fluten, Plagen. Im Sommer zuvor waren in Karlsruhe 46,8 Grad gemessen worden – ein neuer deutscher Hitzerekord. Im Mittelmeer klettern Thermometer inzwischen jeden Sommer auf 50 Grad, das arktische Meereis ist noch im Dezember weitgehend eisfrei, und in den Alpen verfallen die Skigebiete von einst. Die Klimakrise ist außer Kontrolle. In Deutschland ist es exakt vier Grad wärmer als zu Beginn der Industrialisierung. Auch weltweit ist das Zwei-Grad-Ziel längst überschritten. Wie es so weit kommen konnte, das untersucht mittlerweile eine Historikerkommission. Sie soll herausfinden, warum die Weltgemeinschaft damals, anno 2021, nicht der Wissenschaft gefolgt ist, sondern den Konzernen, und warum der Klimawandel nicht genauso entschlossen bekämpft wurde wie das Coronavirus.

Ist das der Beginn des Jahres 2051? Hoffentlich nicht. Ist das Szenario unrealistisch? Vielleicht. Unwahrscheinlich aber ist es nicht. In dem geschilderten Szenario wurde der Trend der vergangenen Jahrzehnte fortgeschrieben und der „Worst Case“ im Rahmen dessen beschrieben, was die Klimamodelle prognostizieren. Es ist ein düsteres Szenario, aber eines, das immer öfter beschworen wird, um die dramatischen Folgen des Klimaproblems zu veranschaulichen. Das edelste Motiv der Autoren solcher Erzählungen ist natürlich der Versuch, die Menschen aufzurütteln. Sie sollen aufwachen, ihr Leben ändern, auf einen fossil befeuerten Lebensstil verzichten und sich stattdessen als Konsument und Wähler entsprechend verhalten, auf dass einen Fortbestand unseres Planeten, so wie wir ihn kennen und lieben, gesichert werden könne. Aber erfüllen solche Dystopien diesen Zweck überhaupt?

Testen Sie unsere Angebote.
Jetzt weiterlesen

Testen Sie unsere Angebote.
F.A.Z. PLUS:

  FAZ.NET komplett

F.A.Z. PLUS:

  Sonntagszeitung plus

Diesen und viele weitere Artikel lesen Sie exklusiv mit F+
Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Frey, Andreas
Andreas Frey
Freier Autor in der Wissenschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot