FAZ plus ArtikelAlgen im Marmarameer

Was den Meeren blüht

Von Andreas Frey
20.06.2021
, 17:26
Die unschöne  Schleimschicht macht sich seit Anfang Juni vor der Küste Istanbuls breit. Manche Forscher warnen, solche Algenblüten werden wegen des Klimawandels häufiger vorkommen. Andere bezweifeln das.
Vor der Küste Istanbuls schwimmt eine riesige Menge aus Schleim. Solch gigantischen Algenblüten ruinieren nicht nur den Badeurlaub, sie können für Meeresbewohner gefährlich werden. Als Sündenbock hält mal wieder der Klimawandel her – doch so einfach ist es nicht.

Es sind Bilder, die man sich mit empfindlichem Magen besser nicht anschaut. Seit Anfang Juni bedeckt ein Schleimteppich große Teile des Marmarameers bei Istanbul, eine dicke Schicht aus graubraunem Rotz wogt auf der Wasseroberfläche hin und her. Das kleine Randmeer zwischen Schwarzem Meer und Ägäis ist Schauplatz einer Umweltkatas­trophe geworden, die sich bis in den Präsidentenpalast auswirkt.

Der Glibber legt gnadenlos offen, wovor Umweltschützer seit Jahrzehnten warnen: Industrieeinleitungen, Verklappungen und ungeklärte Abwässer des Wirtschaftsraums Istanbul bedrohen das empfindliche Ökosystem in dem Binnenmeer und könnten es auf Jahrzehnte schädigen. Womöglich sind viele Pflanzen- und Tierarten bereits unwiederbringlich verloren, ein Massensterben scheint nicht mehr abwendbar. Teilweise reicht der Algenteppich, der wohl aus Kieselalgen und Dinoflagellaten besteht, bis zum Meeresboden – eine tote Zone droht, ohne Sauerstoff für die Wasserbewohner. Algenblüten nennen Meeresforscher solch schnelle und massenhafte Vermehrungen dieser Organismen, die ein Gewässer trüben und je nach Algenart grün, rot, türkis oder eben graubraun schimmern lassen.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Frey, Andreas
Andreas Frey
Freier Autor in der Wissenschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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