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Glosse: Ende der Mast?

Es droht Nachwuchsmangel im Wald

EIN KOMMENTAR Von Joachim Müller-Jung
Aktualisiert am 14.02.2020
 - 16:13
Hochstimmung im Wald. Wie lange noch?
Es sind Orgien im Wald, eine Völlerei fürs Wild: Jedes Mastjahr ist ein Fest im Forst. Doch wie lange noch? Der Spielverderber schleicht schon durchs Gebüsch, wer nimmt es mit ihm auf?

Wer heute noch ein gutes Wort über die Mast verliert, ist entweder Nackensteakliebhaber und damit Mitglied einer neuen starken Bewegung gegen den veganen Zeitgeist – oder er gehört einer jener alten Berufskasten an, die sich mit der Jägerei und Försterei beschäftigen. Selbstverständlich ist auch beides möglich.

Die Mast im Wald allerdings ist die einzige, die das Wohlwollen aller erntet. Jäger, Förster, Umweltschützer, Bauern, ja sogar der Aufsichtsrat, der am Wochenende unterm Kronendach flaniert, weiß die pralle Samenpracht zu schätzen, die sich in den Jahren der Buchen-, Eichen- oder Fichtenmast vor seinen Füßen ausbreitet. Nicht zu reden von den Wildschwein-Rotten im Wald, die bei dem Samenüberschuss am Boden noch reichlich Früchte für den Waldnachwuchs lassen.

Leider gibt es über die Mast der Bäume wenig Verheißungsvolles zu berichten. Allmählich nämlich schwindet sie. Wie so vieles, was von stabilen Verhältnissen in der Natur abhängig ist, droht der schöne, dem Wetter folgende Rhythmus der Mastjahre im fatalen Dröhnen des Klimawandels unterzugehen. In „Nature Plants“ berichtet ein internationales Team von Ökologen, dass die Buche, die hierzulande ohnehin schon unübersehbar unter Wasser- und Klimastress leidet, in den kommenden Jahrzehnten dem Fruchtbarkeitsspektakel ein Ende setzen dürfte.

Die Bucheckernmast gehört dann der Vergangenheit an. Nicht, dass die Bäume die Reproduktion einstellen, ganz und gar nicht. Der Klimawandel sorgt nur dafür, dass es keine Höhepunkte mehr gibt. Das große Bucheckernfest alle drei Jahre fällt einfach aus. Stattdessen blühen die Bäume jedes Jahr. Sie tragen zwar etwas weniger Früchte und Samen als mit dem Mastzyklus, dafür aber Jahr für Jahr – sofern das Wetter mitspielt. Was das dann heißt, weiß der Viehmäster am allerbesten: Die Bäuche der Tiere wachsen, aber der Stall wird kein bisschen liebenswerter. Konkret gesprochen: Die Wildschweine fressen die Samen leer, und im Wald herrscht Nachwuchsmangel. Auf geht’s, Förster for Future.

Quelle: F.A.Z.
Joachim Müller-Jung- Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Joachim Müller-Jung
Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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