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Endlich Sagittarius A*

Von Sibylle Anderl
12.05.2022
, 20:09
Unsere Milchstraße ist von Materiewolken durchzogen. Sie verhüllen die Umgebung ihres zentralen Schwarzen Lochs im Sternbild Schütze (Sagittarius), das daher nur in bestimmten Wellenlängen zu erforschen ist.
Astronomen veröffentlichten 2019 das erste Bild eines Schwarzen Lochs. Jetzt haben sie nachgelegt und geliefert, was damals von vielen vermisst wurde.
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Das gewaltige Schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxie, der Milchstraße, war von Anfang an das eigentliche Ziel gewesen. Schon als vor gut zwanzig Jahren zum ersten Mal die Idee entstanden war, dass man Schwarze Löcher gewissermaßen „fotografieren“ könnte, war Sagittarius A*, abgekürzt Sgr A*, das Objekt, das dafür primär diskutiert wurde. Die Idee selbst erschien damals einigermaßen verrückt – schließlich zeichnen sich Schwarze Löcher ja gerade dadurch aus, dass sie alles, auch Licht, unwiederbringlich schlucken. Keine gute Voraussetzung für ein Beobachtungsvorhaben. Die Astronomen aber glaubten an die Idee, entwickelten die entsprechende, sehr komplexe Technologie, mithilfe derer Teleskope auf der ganzen Welt virtuell zu einem einzigen erdgroßen Tele­skop kombiniert werden, und erarbeiteten die für das Vorhaben nötigen theoretischen Hintergründe. Ein Hindernis nach dem anderen räumten sie aus dem Weg.

Am 10. April 2019 traten sie schließlich an die Öffentlichkeit, um das erste echte Bild eines Schwarzen Lochs zu präsentieren — oder genauer von dessen Schatten auf dem umgebenden heißen Gas. Das Schwarze Loch, das daraufhin die Titelseiten aller Tageszeitungen zierte, war allerdings entgegen den Erwartungen nicht das unsrige, nicht Sagittarius A*. Es war der zentrale Koloss der elliptischen Galaxie M87, mehr als tausendmal so schwer wie das rund vier Millionen Sonnenmassen dicke Objekt Sgr A*. Die größere Masse und Ausdehnung von M87* kompensierte gerade die im Vergleich zu Sgr A* rund zweitausend Mal größere Distanz, sodass beide Schwarzen Löcher am Himmel etwa gleich groß erscheinen — nämlich so groß wie ein Tennisball auf dem Mond. Das Bild, ein oranger Doughnut mit runder schwarzer Aussparung in der Mitte, übertraf alle Erwartungen. Und doch war bei einigen Beobachtern eine gewisse Enttäuschung zu bemerken: Warum war nicht unser eigenes zentrales Schwarzes Loch, das wir nach jahrzehntelanger Forschung schließlich am besten kennen, auf diesem historischen Bild zu sehen?

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Quelle: F.A.Z
Autorenbild/ Sybille Anderl
Sibylle Anderl
Redakteurin im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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