FAZ plus ArtikelEx-Max-Planck-Direktorin

Ein frustrierendes Kapitel der Menschheitsgeschichte

Von Sonja Kastilan
30.11.2021
, 14:38
Nicole Boivin
Eine Frau muss ihren Posten als Direktorin räumen – und die Max-Planck-Gesellschaft sich jetzt gegen Vorwürfe verteidigen, sie würde die Betroffene ungerecht behandeln. Was bedeutet die Solidaritätswelle für die Ex-Direktorin?
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Die Welle der Solidarität ist groß: 145 Frauen in Führungspositionen aus aller Welt wandten sich in einem offenen Brief an die Max-Planck-Gesellschaft, weil sie nach Medienberichten befürchten, dass Diskriminierung oder Mobbing dazu führte, dass wieder einmal eine Frau, die noch dazu Ausländerin ist, ihre Stelle als Direktorin an einem Max-Planck-Institut in Deutschland räumen musste. Sie machen in ihrem Schreiben darauf aufmerksam, dass Frauen meist auf steinigeren Wegen Karriere machen und kritischer bewertet werden als Männer, auch sorgen sie sich um den weiblichen Nachwuchs in der Wissenschaft.

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Es sei außerdem die Pflicht der Max-Planck-Gesellschaft, MPG, Frauen und ausländische Forscher an ihren Instituten zu unterstützen und vor Diskriminierung zu schützen. Auch an anderen Institutionen und Universitäten – in Zürich, London, Kopenhagen – seien in jüngster Zeit Top-Akademikerinnen gestürzt geworden: Grundsätzlich geht es ihnen also um die Sache. Nicht nur um die kanadische Archäologin Nicole Boivin, die im Oktober nach fünf Jahren als Direktorin am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena zurücktreten musste, dort aber weiterhin arbeiten dürfte. Was sie zunächst ohne Vorbehalte akzeptiert haben soll, um bald darauf am Landgericht Berlin einen Antrag gegen die Entscheidung der MPG zu stellen. Sie will ihren Leitungsposten nicht kampflos aufgeben: Die gegen sie erhobenen Vorwürfe seien falsch, teilt sie auf Anfrage mit.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Kastilan, Sonja
Sonja Kastilan
Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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