FAZ plus ArtikelHöchstens haltbar bis ...

Wann geht das Ding endlich kaputt?

Von Christian Geyer
Aktualisiert am 16.09.2020
 - 14:00
Das ist der richtige Wagen! Aber für wie lange? So ein Cadillac mit den vielen Lampen sieht blitzschnell uncool aus.
Geplanter Verschleiß, beziehungsweise „geplante Obsoleszenz“ ist eine klassische Figur der ökonomischen Forschung: Treibt uns die Industrie wirklich zu immer mehr und immer schnellerem Konsum an?

Wie kommt es überhaupt, dass „langlebig“ und „haltbar“ für attraktivere Merkmale von Gebrauchsgütern gehalten werden als „kurzlebig“ und „vergänglich“? Das fragt der Ökonom und Sozialwissenschaftler Albert O. Hirschman in seinem Klassiker „Engagement und Enttäuschung“. Das Enttäuschungspotential von Konsumerfahrungen, die mögliche Diskrepanz zwischen Erwartung und Erfahrung beim Lustgewinn, sei doch dort am höchsten, wo es sich um relativ langlebige Anschaffungen wie Auto, Kühlschrank, Wasch- und Spülmaschine handele, schrieb Hirschman 1982.

Und das anhaltende „Herumstehen“ solcher langlebiger Güter gemahne ständig an die Enttäuschung, die sie womöglich verursacht hätten. „Unter solchen Bedingungen wird die Enttäuschung relativ stabil sein, das heißt schwer liquidierbar; auch zieht sie immer wieder die Aufmerksamkeit der Betroffenen auf sich und beginnt vielleicht, ein Eigenleben zu führen und das soziale Klima zu beeinträchtigen.“

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Quelle: F.A.Z.
Christian Geyer - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Christian Geyer-Hindemith
Redakteur im Feuilleton.
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