FAZ plus ArtikelRhetorik des offenen Briefes

Krieg und Frieden

Von Armin Nassehi
17.05.2022
, 20:05
Anatomie einer Debatte: Intellektuelle, die Verhandlungen statt Waffenlieferungen propagieren, behandeln die Akteure des Ukrainekriegs wie ein Romanautor seine Figuren.
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Verhandlungen und Kompromisse oder Waffenlieferungen? Auf diese binär ge­baute Alternative scheint sich derzeit eine schrille Debatte zu verdichten, die in dieser Form kaum weiterführt. Hier soll nun kein weiterer Beitrag dazu geliefert, sondern ein Blick auf die Debattenkonstellation selbst gerichtet werden.

Wir beobachten auf der einen Seite ein simples Denken, das einen suggestiven Schluss variiert: Mehr Waffen führen zu mehr militärischer Gewalt. Gerne heißt es, dass man sich mit dem Rekurs auf Waffen bereits auf die Logik Putins eingelassen habe, so etwa Hartmut Rosa bei „Spiegel online“. Reinhard Merkel führt sich im Interview in dieser Zeitung (F.A.Z. vom 5. Mai) wie ein Schlachtenlenker auf, der die Parteien wie Zinnsoldaten verschiebt, da­mit der eine mit Gesichtswahrung und der andere mit einer Zukunftsaussicht auf die Lösung „kniffliger Fragen“ herauskommen wird, gewissermaßen aus der Position ei­nes Schiedsrichters, der das Spiel unterbrechen kann (worauf ihn die Interviewer sogar hingewiesen haben). Harald Welzer empfiehlt, der Logik des Krieges eine Logik der Verhandlung und des Kompromisses ge­genüberzustellen, und so weiter.

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Quelle: F.A.Z
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