Warum wir weinen

Angst oder Freude – Tränen kullern aus Emotionen

16.08.2022
, 14:09
Auch bei einer großen Enttäuschung kullern die Tränen. Die österreichische Torhüterin Manuela Zinsberger nach dem verlorenen Fußballspiel gegen die deutsche Frauen-Fußballmannschaft in England.
Wir vergießen Tränen aufgrund von Gefühlen. Psychologen der Universitäten Ulm und Sussex haben untersucht, warum wir in bestimmten Situationen weinen.
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Der Mensch ist vermutlich das einzige Lebewesen, das aufgrund von Gefühlen in der Lage ist, Tränen zu vergießen. Um das menschlichen Weinen zu ergründen, haben Psychologen der Universitäten Ulm und Sussex 720 Menschen zu Gründen für emotionale Tränen online befragt. In einem weiteren Studie sollten 91 Versuchspersonen täglich Tagebuch führen. Die Teilnehmer der Studien, Personen aus der Allgemeinbevölkerung und Studenten beiderlei Geschlechts, hatten einen Durchschnttsalter von 30,3 Jahren. Im Fachjournal „Motivation and Emotion“ teilen die Wissenschaftler die menschlichen Tränenflüsse nun in fünf Kategorien ein: Einsamkeit, Machtlosigkeit, Überforderung, Harmonie und Medienkonsum.

Verletzte oder erfüllte Grundbedürfnisse sorgen für Tränen

Der Einteilung in diese Kategorien liege die Überlegung zugrunde, dass emotionale Tränen immer dann auftreten, wenn psychologische Grundbedürfnisse entweder nicht erfüllt oder aber sehr intensiv befriedigt würden, erklären die Forscher. Dies sei also so ähnlich wie bei biologischen Grundbedürfnissen – etwa Essen oder Schlafen– bei denen Frustration oder Befriedigung unser subjektives Wohlbefinden ebenfalls beeinflusst würde. Als zentrale psychologische Grundbedürfnisse haben sich in der Forschung die Bedürfnisse nach „Nähe“ (sich verbunden fühlen), „Autonomie“ (Dinge beeinflussen können) und „Kompetenz“ (etwas erfolgreich ausführen können) etabliert. So verweisen die Psychologen etwa darauf, dass das Gefühl von Einsamkeit durch ein nicht erfülltes Bedürfnis nach Nähe zustande kommt – und so zu Tränen führen könne.

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Tränen fließen „stellvertretend“

Zur selbigen Kategorie werden auch Tränen gezählt, die aufgrund von Liebeskummer oder Heimweh fließen. Tränen, die hingegen durch eine intensive Befriedigung des Bedürfnisses Nähe kullerten – etwa Freudentränen bei einer Hochzeitsfeier – wurden in die Kategorie Harmonie eingeteilt. Als Beispiel für Tränen aufgrund von Machtlosigkeit beschreiben die Forschenden etwa die Reaktion auf eine Todesnachricht. Überforderung wurde häufig im Arbeitskontext berichtet – hierbei fielen Tränen besonders bei jüngeren Menschen.

Jede vierte berichtete Episode, in der emotionale Tränen fielen, wurde in die Kategorie Medienkonsum eingeordnet, die im Vergleich einige Besonderheiten aufweist. So ist die weinende Person nur indirekt betroffen und die Tränen fließen „stellvertretend“ für ein Erlebnis, das einer Figur eines Filmes oder Buches widerfährt, in die sich die betreffende Person hineinversetzt. Dabei können sowohl Freudentränen als auch Tränen der Traurigkeit fließen, abhängig davon, ob es sich beispielsweise um eine Komödie oder um ein Drama handelt.

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Klar zu unterscheiden sind die emotionalen Tränen von den sogenannten basalen Tränen, die das Auge feucht halten und vor dem Austrockenen schützen. Auch Tränen als Reflex auf Kälte, Wind oder beim Zwiebelschneiden ließen die Forscher bei ihrer Studie außen vor.

Die Psychologen sehen die Studie als Grundlage für weitere Forschung zum Phänomen emotionaler Tränen. Bislang fehlten etwa Erkenntnisse darüber, welchen Einfluss Tränen darauf haben, ob ein Mensch einen anderen unterstützt, sagt Ko-Autor Johannes Keller, Leiter der Abteilung Sozialpsychologie der Universität Ulm. Auch die Rolle der Tränen bei psychischen Erkrankungen sei weitgehend unbekannt. Die Identifikation der fünf häufigsten Gründe des Weinens könne also dabei helfen, diese Fragen in Zukunft zu beantworten.

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Quelle: dpa/jautz
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