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FAZ plus ArtikelFeinstaub-Debatte

Internationale Forscher widersprechen deutschen Lungenärzten

Von Joachim Müller-Jung
 - 14:58

Der Bundesverkehrsminister freut sich und mit ihm die Autoindustrie und der ADAC: Eine kleine, aber laute Minderheit von Lungenärzten, hundert von viertausend Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie, hat sich auf ihre Seite geschlagen und die wissenschaftlichen Grundlagen von lange bestehenden Grenzwerten für Stickoxide und Feinstaub infrage gestellt – nicht, weil bahnbrechende neue Ergebnisse zu den Gesundheitsgefahren von Luftschadstoffen vorliegen, sondern weil ihnen die drohenden Dieselfahrverbote nicht passen, die nach Nichteinhaltung der europäischen Standards von deutschen Richtern angeordnet wurden. Viele Menschen hat der Vorstoß der Lungenärzte verunsichert, Mediziner fürchten um ihre Glaubwürdigkeit, weil für sie der Gesundheitschutz an erster Stelle stehen sollte. Der klinische Lungenarzt Tobias Welte von der Medizinischen Hochschule Hannover, derzeit Präsident der europäischen Pneumologen-Gesellschaft, hat mit 14 Repräsentanten des International Forum of Respiratory Societies FIRS, dem weltweiten Zusammenschluss der führenden Gesellschaften für Lungengesundheit mit mehr als 70.000 Mitgliedern, eine Stellungnahme ausgearbeitet, die wir hier dokumentieren:

„Das Forum der Internationalen Lungengesellschaften, FIRS, stimmt den nationalen deutschen Standards, den europäischen Standards und denen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu und widerspricht damit der Gruppe der deutschen Lungenfachärzte, die sich für eine Aufweichung der Grenzwerte ausgesprochen hatten. Nach Angaben der WHO ist die Schadstoffbelastung der Luft für 4,2 Millionen jährliche Todesfälle verantwortlich. Obwohl die Lunge am stärksten von der Luftverschmutzung betroffen ist, werden durch diese auch andere Organsysteme geschädigt und chronische Erkrankungen verschlechtert. Akute Effekte zeigen den sichtbarsten Effekt, Langzeitexposition erzeugt hingegen chronische Veränderungen, die langfristig tödlich sein können: Krebs, Herzkrankheiten, Schädigungen des Neugeborenen und Demenz sind mit Luftverschmutzung assoziiert, dafür sind vor allem Partikel mit einem Durchmesser unter 2,5 Mikrometern (PM2,5) und andere Dieselabgase verantwortlich.

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Die Autoren der FIRS-Stellungnahme

Dean E. Schraufnagel, MD, Professor, University of Illinois at Chicago, Executive Director, Forum of International Respiratory Societies

John R. Balmes, MD, Professor, University of California San Francisco and University of California Berkeley

E. Jane Carter, MD, Professor, Brown University, Rhode Island, President, Forum of International Respiratory Societies

Clayton T. Cowl, MD, MS, Chair Division of Preventive, Occupational, and Aerospace Medicine, Mayo Clinic

Sara De Matteis, MD, MPH, PhD, Occupational and Environmental Health Physician and Epidemiologist

Imperial College London

Barbara Hoffmann, MPH, Professor, Environmental Epidemiology, Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf

Woo Jin Kim, MD, PhD, Professor, Director of Environmental Health Center, Kangwon National University

Kevin Mortimer, MB, BChir, Deputy Director, Institute for Health Research, Liverpool School of Tropical Medicine

Rogelio Perez-Padilla, MD, Investigator, National Institute of Respiratory Diseases, Mexico

Mary B. Rice, MD, MPH, Assistant Professor of Medicine, Harvard Medical School

Akshay Sood, MD, MPH, Professor University of New Mexico School of Medicine

Teresa To, PhD, Professor and Senior Scientist, The Hospital for Sick Children, University of Toronto


Aneesa Vanker, MBChB, Senior Specialist Paediatric Pulmonologist, University of Cape Town

Donald J. Wuebbles, PhD, MS, Professor of Atmospheric Sciences, University of Illinois at Urbana

Tobias Welte, MD, Professor, Hannover University School of Medicine, Incoming President, Forum of International Respiratory Societies

Quelle: F.A.Z.
Joachim Müller-Jung
Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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