Weltklimagipfel in Durban

Appelle vor dem Klimagipfel

Von Andreas Mihm, Berlin
27.11.2011
, 21:12
An diesem Montag beginnt der 17. Weltklimagipfel. Der Papst und Umweltgruppen fordern größere Anstrengungen. Die Interessenunterschiede zwischen den Staaten sind aber groß.

Vor Beginn des 17. Weltklimagipfels an diesem Montag im südafrikanischen Durban haben Papst Benedikt XVI. und Umweltgruppen die Staatengemeinschaft zu größeren Anstrengungen beim internationalen Klimaschutz aufgerufen. Allerdings rechnen die Verhandler im Verlauf der auf zwei Wochen angesetzten Konferenz nicht mit einer Einigung in wesentlichen Punkten. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich skeptisch.

Nachdem vor zwei Jahren der Versuch zum Abschluss eines mit verbindlichen Zusagen ausgestatteten und alle Staaten bindenden Klimarahmenabkommens gescheitert war, steht jetzt auch die Verlängerung des Kyoto-Abkommens auf der Kippe. Der Vertrag, in dem sich große Industriestaaten mit Ausnahme Amerikas auf verbindliche Vorgaben zur Minderung ihrer Treibhausgasemissionen verpflichtet haben, läuft Ende 2012 aus. Ein Anschlussvertrag steht aus. Es wird die Hoffnung genährt, dass die Debatte darüber nur vertagt und nicht abgebrochen werden könnte. In dem Protokoll sind konkrete Maßnahmen zur Eindämmung der Emissionen wie der internationale Handel mit Emissionsscheinen geregelt.

Pro-Kopf-Budget für Treibhausgasemissionen

Allerdings sind die Interessenunterschiede zwischen den Staaten groß. Während die EU sehr an einer Fortschreibung interessiert ist, zeigt Amerika kaum Interesse daran. Japan will nur weitermachen, wenn auch große Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien verbindlichen Minderungszielen für den Ausstoß von Kohlendioxid zustimmen. Die lehnen das ab oder sind dazu nur bereit, wenn die Industriestaaten, denen sie eine „historische Verantwortung“ für die menschengemachte Erderwärmung zusprechen, weiter vorangehen.

In Rom sagte der Papst am Sonntag, er hoffe, „dass alle Mitglieder der internationalen Gemeinschaft sich auf eine verantwortungsvolle, glaubwürdige und solidarische Antwort auf dieses besorgniserregende und vielschichtige Phänomen einigen“. Eine Klima-Übereinkunft müsse die Bedürfnisse der ärmsten Völker und künftiger Generationen berücksichtigen. Vertreter von Umweltgruppen appellierten an die Industriestaaten, sich einem Kyoto-Nachfolgeabkommen nicht zu verweigern. Auch müsse sich Europa freiwillig verpflichten, seine Klimagase bis 2020 um mindestens 30 Prozent zu verringern. Die Europäer wollen das nur tun, wenn auch andere Staaten nachprüfbare Minderungszusagen machen.

Der ehemalige Chef des UN-Umweltprogramms und frühere Bundesumweltminister Töpfer äußerte sich skeptisch. Der Klimagipfel werde voraussichtlich kein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll beschließen. Trotzdem dürfe es keine Pause im Klimaschutz geben. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) plädierte für ein weltweites Abkommen, eine „globale Wettbewerbsordnung zum Schutz des Klimas“. An deren Ende müsse ein Pro-Kopf-Budget für Treibhausgasemissionen für jeden Menschen stehen, sagte er der Zeitschrift „Der Spiegel“.

Das Erdklima heizt derweil weiter auf

In Durban wird auch Bilanz über das bisher Erreichte gezogen. Im vergangenen Jahr hatten die 194 Staaten der „Conference of the Parties“ als gemeinsames Ziel akzeptiert, zu verhindern, dass die Erdtemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um mehr als zwei Grad steigt, gemessen an der vorindustriellen Zeit. Konkrete Maßnahmen zur Umsetzung waren nicht beschlossen worden. Allerdings will die Staatengemeinschaft einen „Green Climate Fonds“ auflegen, der ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen, ausschütten soll. Um dessen Finanzierung geht es in Durban, auch um den Schutz der Wälder, die als Kohlenstoffspeicher eine wichtige Funktion haben.

Derweil heizt sich das Erdklima weiter auf. Die Temperatur steigt, die Eiskappen schmelzen schneller erwartet. Unlängst warnten Forscher vor einer Zunahme von Wetterextremen durch den Treibhauseffekt. Der kommt dadurch zustande, dass Kohlendioxid und andere Treibhausgase die Abstrahlung der Sonnenwärme von der Erde ins All verhindern.

Quelle: F.A.Z.
Andreas Mihm - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Andreas Mihm
Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.
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