<iframe src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Klug verdrahtet

Eine These zum Verlieben

Von Sibylle Anderl
 - 16:37

Die Rate, mit der neue wissenschaftliche Studien veröffentlicht werden, ist schwindelerregend. Schätzungen sprechen von einer Million Artikeln pro Jahr – alle 30 Sekunden einer. Für den ambitionierten Wissenschaftler, der sich einen Überblick über sein Forschungsfeld bewahren möchte, ist diese Entwicklung eine Katastrophe.

Nicht einmal mehr die Beschränkung auf den kleinen Ausschnitt des eigenen wissenschaftlichen Interesses stellt eine echte Lösung dar. Gott sei Dank stehen uns heute aber Künstliche Intelligenzen (KI) zur Seite, die beherrschen, was den Menschen verzweifeln lässt: die Durchforstung von Datenbergen. Dabei haben die Algorithmen die Stufe der Erstellung von verschlagworteten Zitationsdatenbanken lange hinter sich gelassen.

Heute widmen sie sich per „natural language processing“ schon der Interpretation des Inhalts der Aufsätze. Damit können sie inhaltliche Verbindungen aufzeigen: beispielsweise methodische Ähnlichkeiten zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Teilgebieten oder bestehende Beziehungen zwischen verschiedenen Phänomenen oder Entitäten. Auch Hypothesen soll die KI prüfen können, indem sie verschiedene Aspekte eines Papers mit anderen Artikeln abgleicht.

Noch besser wäre natürlich gleich die Generierung neuer Hypothesen. In der Medizin soll das schon funktionieren. Dort haben Forscher am Leiden University Medical Centre (LUMC) per KI-Recherche in Papern Krankheiten identifiziert, die mit Medikamenten behandelt werden könnten. Wissenschaftler werden erst einmal trotzdem nicht überflüssig: Man solle eine automatisch generierte Hypothese niemals ungeprüft übernehmen, warnt eine der Autorinnen. Und die experimentelle Prüfung der eigenen Hypothesen durch die KI selbst steht schließlich noch aus.

Quelle: F.A.Z.
Sibylle Anderl
Redakteurin im Feuilleton.
Twitter
  Zur Startseite