FAZ plus ArtikelCheckpoint-Therapie

Befreite Abwehr

Von Hildegard Kaulen
26.10.2021
, 09:14
Bild einer menschlichen Immunzelle
Entscheidung am Checkpoint: Wie der Schutzschirm, den ein Tumor um sich herum aufbaut, gezielt ausgeschaltet wird, um das Immunsystem scharf zu machen.
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Zu einfach – mit diesem Argument wiesen Kritiker vor drei Jahrzehnten die Idee zurück, Krebs nicht mehr direkt zu attackieren, sondern dem Immunsystem diesen Angriff zu überlassen, indem man vorher die vom Tumor ausgehende und dämpfend auf das Immunsystem wirkende Bremse blockiert. Heute ist die Idee unter dem Namen Checkpoint-Hemmung ein enorm wichtiges Therapieprinzip in der Onkologie. In den vergangenen Jahren sind in der Europäischen Union allein sieben Checkpoint-Hemmer gegen Krebs zugelassen worden. Diese Wirkstoffe behandeln nicht mehr den Tumor, sondern das Immunsystem.

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Während die klassischen Zellgifte – in der Chemotherapie – Krebszellen töten, entfesseln die sogenannten Checkpoint-Hemmer das Immunsystem und enttarnen die Tumorzellen – eine Entdeckung, die 2018 mit dem Nobelpreis für Medizin an den Amerikaner James Allison und den Japaner Tasuku Honjo honoriert wurde. Allerdings wirkt die Checkpoint-Hemmung bislang nur bei rund 15 Prozent der infrage kommenden Patienten, dann allerdings oft mit überragenden Ergebnissen. Bei den anderen Patienten ist die Wirkung unbefriedigend, weil sich das Immunsystem entweder nicht gegen den Tumor mobilisieren lässt oder die Tumorzellen schnell wieder zu ihrer Deckung zurückfinden und resistent werden.

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