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Verschmutzung der Ozeane

Den Darm voller Plastik

Von Manfred Lindinger
 - 13:21
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Flaschen, Eimer, Tüten, Folien, Zahnbürsten, kaputtes Spielzeug, altes Tauwerk und Fischernetze – riesige Mengen Plastikmülls schwimmen in den Ozeanen. Sie verschandeln nicht nur die Strände. Auch immer mehr Vögel, Wale, Delphine und andere Meeresbewohner verenden, weil sie sich in Kunststoffteilen verheddern, strangulieren oder diese verschlucken. Je kleiner die Plastikteile sind, desto Größer ist die Gefahr, dass sie mit der Nahrung aufgenommen werden und sich im Körper der Tiere anreichern.

Alarmierend ist in diesem Zusammenhang ein aktueller Befund britischer Wissenschaftler von der University of Exeter in Cornwall und vom Plymouth Marine Laboratory. Sie haben Plastikpartikel im Magen-Darm-Trakt von hundert toten Wasserschildkröten gefunden. Betroffen seien alle bekannten sieben Arten von Meeresschildkröten, die im Atlantik, Pazifik und im Mittelmeer beheimatet sind, schreiben Emily Ducan und ihre Kollegen in ihrer Studie, die in der Zeitschrift „Global Change Biology“ erschienen ist. Die untersuchten Tiere waren entweder gestrandet oder als unerwünschter Beifang über Bord geworfen worden.

Jede Menge Plastik im Magen-Darm-Trakt

Mehr als 800 Plastikpartikel haben die Forscher den 102 toten Tieren entnommen. Dabei haben sie nur Teile der Eingeweide analysiert. Die tatsächliche Menge an aufgenommenem Plastik könnte daher noch größer sein – um das Zwanzigfache, so schätzen die Forscher.

Der überwiegende Teil des Plastiks waren winzige Fasern (77 Prozent), die etwa von Kleidungsstücken, Reifen, Zigarettenfiltern oder von Tauen und Fangnetzen stammten. 23 Prozent machten kleinere Fragmente aus, und fünf Prozent waren Mikropartikel. Chemische Analysen im Labor zeigten, dass es sich überwiegend um Elastomere und Thermoplasten handelte. Die Forscher konnten noch Partikel identifizieren, die kleiner waren als ein Millimeter.

„Aufgrund ihrer geringen Größe können die Teilchen offenbar ungehindert bis in den Verdauungstrakt der Meeresschildkröten vordringen und sich im Darm anreichern“, sagt Studienleiterin Emily Ducan. Noch sei nicht klar, wie das aufgenommene Plastik und die darin enthaltenen Schadstoffe sich auf die Tiere auswirkten. Weitere Untersuchungen sollen das klären.

Größtes Ausmaß im Mittelmeer

Auch ist noch nicht vollends geklärt, wie die Meeresschildkröten das Plastik aufnehmen. Die wahrscheinlichsten Wege führen nach Ansicht der Forscher über verschmutztes Meerwasser und Sand sowie über die Nahrungsaufnahme. „In den vergangenen Jahren haben wir Plastik in allen Meeresbewohnern gefunden, auch im Plankton und in Fischlarven, also in der potentiellen Nahrung vieler Meeresbewohner“, sagt Penelope Linde vom Plymouth Marine Laboratory.

Auch wenn das Plastik nicht akut das Leben der Tiere bedrohe, der Befund sei jedoch ein weiteres Zeichen dafür, dass es höchste Zeit ist, dass endlich etwas gegen die globale Plastikvermüllung der Meere unternommen wird.

Die am stärksten belasteten Wasserschildkröten fanden die Forscher im Mittelmeer vor Zypern. Das Binnenmeer gilt als das am stärksten von Plastikmüll verunreinigte Meer. Obwohl es nur etwa ein Prozent des weltweiten Wassers ausmacht, konzentrieren sich hier rund sieben Prozent des globalen Plastiks. Rund 1,25 Millionen Kunststofffragmente kommen laut WWF auf einen Quadratkilometer Wasseroberfläche.

Jedes Jahr vergrößern sich die Mengen an Plastik in den Weltmeeren um rund sechs Millionen Tonnen. Das ist etwa so viel, wie 1960 weltweit produziert wurde. Der Müll stammt von achtlos über Bord geworfenen Gegenständen, von Treibgut aus der Hochseefischerei oder von Gegenständen, die über die Kanalisation in die Flüsse und schließlich ins Meer gespült werden. Während sich Papier, Holz und sogar Coladosen früher oder später zersetzt haben, verrottet Plastik nicht. Es wird allenfalls durch mechanische Prozesse und Verwitterung so lange aufgerieben, bis mikroskopische Partikel übrig bleiben. Meeresbiologen fürchten schon seit langem verheerende Folgen für das marine Ökosystem.

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80 Mülltüten gefressen
Wal stirbt an Plastik

Quelle: F.A.Z.net
Manfred Lindinger
Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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