Evolution der Honigbiene

Der lange Weg nach Europa

Von Diemut Klärner
01.03.2022
, 14:00
Honigbiene auf dem Blütenstempel eines blühenden Krokus
Die Urahnen der Westlichen Honigbiene hatten ihre Heimat in Asien. Von dort aus sind sie in den Nahen Osten, nach Afrika und schließlich nach Europa gereist.
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Die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) ist vielerorts quasi zum Haustier geworden: Der Mensch stellt die Unterkunft und erntet dafür nicht nur Honig und Bienenwachs. Weil Honigbienen fleißig Blüten besuchen und dabei bestäuben, spielen sie auch in der Landwirtschaft eine wichtige Rolle. Woher die Westliche Honigbiene ursprünglich stammt, war bislang umstritten. Dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Asien kommt, wo auch die elf anderen Arten der Gattung Apis zu Hause sind, hat eine internationale Forschergruppe mit Genomanalysen herausgefunden. Vermutlich hat sich die Westliche Honigbiene einst in Südostasien aus Honigbienen entwickelt, die bereits ihre Nester in Baumhöhlen bauten. Die gemeinsamen Vorfahren aller heutigen Varianten lebten offensichtlich im westlichen Asien.

Die Biologen um Kathleen A. Dogantzis von der York University in Toronto haben 251 Bienen aus Europa, Afrika und Asien in ihre Studie einbezogen. So konnten sie fünf bekannte evolutionäre Linien bestätigen: zwei europäische, zwei asiatische und eine afrikanische. Darüber hinaus entdeckten sie zwei weitere afrikanische Linien in Ägypten und Madagaskar, und sie listen insgesamt elf Unterarten auf. Sieben weitere mutmaßliche Unterarten hingegen entpuppten sich als mehr oder minder bunte Mischungen der verschiedenen Gruppen.

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Stammbäume, die auf der Veränderung einzelner Basenpaare in der DNA-Doppelhelix beruhen, deuten darauf hin, dass die Spezies Apis mellifera schon vor rund sechs Millionen Jahren begann, sich derart aufzuspalten, schreiben die Forscher in „Science Advances“. Die offenbar ausgesprochen migrationsfreudigen Honigbienen haben dann mehrmals auf unterschiedlichen Wegen neue Erdteile bevölkert: Eine evolutionäre Linie ist wohl auf einer nördlichen Route nach Nord- und Mitteleuropa vorgedrungen und dann weiter nach Westen bis auf die Iberische Halbinsel. Eine andere hat später von Westasien aus Süd- und Südosteuropa erobert. Dabei hat sie womöglich die längst in Europa angekommenen Honigbienen wieder aus einem Teil ihres Verbreitungsgebiets verdrängt.

Ende 2021 gab es in Deutschland 2,34 Prozent mehr Imkereien und 4,23 Prozent mehr Bienenvölker als im Jahr zuvor.
Ende 2021 gab es in Deutschland 2,34 Prozent mehr Imkereien und 4,23 Prozent mehr Bienenvölker als im Jahr zuvor. Bild: obs

So konnten sie fünf evolutionäre Linien bestätigen: zwei europäische, zwei asiatische und eine afrikanische. Darüber hinaus haben sie noch zwei neue afrikanische Entwicklungslinien in Ägypten und auf Madagaskar entdeckt. Insgesamt listen sie elf Unterarten auf. Sieben weitere mutmaßliche Unterarten entpuppten sich dagegen als mehr oder minder bunte Mischungen, entstanden durch Kontakte zwischen unterschiedlichen evolutionären Linien.

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Unterschiede finden sich vorwiegend in Genen

Unabhängig davon ist Afrika von Westlichen Honigbienen besiedelt worden, vermutlich ebenfalls zweimal: Aus Ägypten stammende Bienen entpuppten sich nämlich als eng verwandt mit den im Jemen heimischen. Genetisch unterscheiden sie sich prägnant von einer ansonsten in ganz Afrika verbreiteten evolutionären Linie, der auch eine ausschließlich auf Madagaskar anzutreffende Seitenlinie entstammt.

Dass die Populationen in Europa und im westlichen Asien durch die letzte Kaltzeit des Eiszeitalters drastisch dezimiert worden sind, erklärt wahrscheinlich die weitaus größere genetische Vielfalt afrikanischer Honigbienen. Unterschiede zwischen den evolutionären Linien finden sich vorwiegend in Genen, die für die Entwicklung vom Em­bryo bis zum erwachsenen Insekt relevant sind sowie für Verhaltensmerkmale. Oft handelt es sich um Gene, die vor allem auf Arbeiterinnen Einfluss nehmen. Sie bleiben zwar gewöhnlich kinderlos, in der Evolution der Honigbienen spielen sie aber trotzdem eine wichtige Rolle. Denn von ihren Fähigkeiten hängt es ab, ob sich ein Bienenvolk erfolgreich fortpflanzen kann. Ob also viele junge Königinnen und Drohnen heranwachsen, die ihre Gene an die nächste Generation weitergeben.

Die Genomanalysen lassen darauf schließen, dass die Anpassung an unterschiedliche Lebensbedingungen von den gemäßigten Breiten bis zu den Tropen hauptsächlich auf die Evolution der Arbeiterinnen zurückzuführen ist. Afrikanische Honigbienen sind dafür berüchtigt, dass diese Bienen ihr Nest viel aggressiver verteidigen als es die europäischen Verwandten tun. Offensichtlich waren besonders wehrhafte Bienen im Vorteil, wo es den Honig und die Bienenbrut in den Waben gegen ein breites Spektrum verschiedenartiger Angreifer zu verteidigen galt. Aus Sicht der Imker, die sich ja regelmäßig an den Waben zu schaffen machen, sind solch aggressive Bienen zwar unerwünscht. Gefragt sind friedliche Völker, die hohe Honigerträge liefern. In der genetischen Vielfalt von Honigbienen unterschiedlicher Herkunft könnten aber auch Varianten stecken, die sich für die Züchtung als nützlich erweisen. Etwa wenn es darum geht, Bienenvölker besser für Hitzewellen zu wappnen oder gegen Krankheitserreger.

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Quelle: F.A.Z
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