Biolumineszenz

Ein Baumsteiger, der im Dunkeln leuchtet

Von Hildegard Kaulen
31.03.2017
, 16:40
Fische, Schildkröten, Schmetterlinge und Pflanzen tun es – nun haben argentinische Biologen am Amazonas den ersten grün leuchtenden Laubfrosch entdeckt. Aber was ist der Vorteil dieser Fähigkeit?

Er ist nur drei Zentimeter groß und, bei Tageslicht betrachtet, nicht mehr als ein gewöhnlicher grüner Laubfrosch aus dem Amazonasgebiet, aber für Biologen ist er eine Sensation. Der gepunktete Baumfrosch Hypsiboas punctatus fluoresziert, wenn er mit ultraviolettem Licht bestrahlt wird. Man kennt diese Eigenschaft bisher nur von Fischen, Schildkröten, Pflanzen und einigen terrestrischen Tieren wie Papageien, Skorpionen und Schmetterlingen. Der südamerikanische Laubforsch ist nun der erste fluoreszierende Froschlurch. Entdeckt wurde er von Forschern um Julián Faivovich vom argentinischen Naturkundemuseum in Buenos Aires.

Lebewesen mit Biofluoreszenz absorbieren energiereiches Licht und geben energieärmeres Licht wieder ab. Die Neonfarbe entsteht also nicht durch eine chemische Reaktion wie bei der für Glühwürmchen typischen Biolumineszenz, sondern durch Absorption und Reflexion. Der südamerikanische Frosch absorbiert Licht im violetten Bereich und strahlt blaues und grünes Licht wieder ab.

Durch Zufall entdeckt
Dieser Frosch leuchtet im Dunkeln
© AFP, reuters

Deshalb leuchtet er im UV-Licht blaugrün. Er benutzt dafür drei bislang unbekannte Fluoreszenzmoleküle, die den Namen Hyloine erhalten haben. Die Moleküle befinden sich in den Lymphdrüsen und den Drüsen der Haut. Damit das Licht überhaupt dorthin gelangen kann, ist die Haut des Fluoreszenz-Froschs transparent.

Zu schwach für unser Auge

Dazu, welchen Vorteil die Tiere aus dieser Eigenschaft ziehen, gibt es bisher nur Vermutungen. Die Frösche sind dämmerungs- und nachtaktiv. Die Fluoreszenz macht sie heller. Die Wissenschaftler nehmen an, dass dies den Tieren helfen könnte, einen Partner für die Paarung zu finden oder miteinander zu kommunizieren. Allerdings ist derzeit noch unklar, ob die Frösche diese größere Helligkeit überhaupt sehen können und ob sie die passenden Fotorezeptoren dafür besitzen. Die Ergebnisse zum Sehprozess einer nahe verwandten Art legen dies nahe, beweisen es allerdings nicht.

Dass diese Eigenschaft erst jetzt entdeckt wurde, liegt daran, dass die Fluoreszenz in der Dämmerung und Nacht, wenn der Frosch aktiv ist, so diskret ist, dass sie vom menschlichen Auge nicht wahrgenommen wird. Tatsächlich wurde sie nun zufällig entdeckt, als die Wissenschaftler die Frösche aus einem anderen Grund mit UV-Licht bestrahlen mussten und dabei auf die Neonfarbe stießen. Faivovich und sein Team vermuten daher, dass diese Besonderheit gar nicht so selten ist wie bisher angenommen. Es könnte sehr wohl sein, dass die Wissenschaftler mehr leuchtende Frösche und Amphibien finden würden, wenn sie mit einer UV-Lampe durch den Regenwald oder andere Gegenden streifen würden.

Quelle: F.A.Z.
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