Bestäuber-Hilfe

Wie wir Bienen beim Bestäuben helfen können

Von Rebecca Hahn
03.05.2021
, 17:20
Auch auf dem Land ist das Angebot an Nektar rar geworden. Der Anbau von Rollrasen und intensive Landwirtschaft sind Gründe dafür. Wie wir Bienen und anderen Bestäubern mit blühenden Oasen bei der Nahrungssuche helfen können.

Kaum wird es draußen wärmer, machen sich Bienen und andere Bestäuber ans Werk. Je mehr es summt, umso besser: Über achtzig Prozent der Blütenpflanzen weltweit sind auf die Befruchtung durch Insekten angewiesen, darunter zahlreiche Nutzpflanzen. Allein in Deutschland sind die Dienste der Bestäuber rund 3,8 Milliarden Euro wert, schätzten kürzlich Wissenschaftler der Universität Hohenheim.

Doch vor allem im ländlichen Bereich ist das Nahrungsangebot für Bestäuber in den letzten Jahrzehnten immer weiter zurückgegangen. „Artenreiche Wiesen zählen zu den ergiebigsten Nahrungsquellen für Bestäuber. Doch die werden leider immer seltener“, sagt die Entomologin Daniela Warzecha vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum in Frankfurt. Auch die Zahl der Hecken ist zurückgegangen. „Die offene Landschaft ist an Blüten mittlerweile sehr verarmt“, sagt Warzecha. „Das Angebot in Städten ist dank Gärten, Parks und insektenfreundlich gestalteter Grünanlagen teilweise besser.“

Das Problem ist nicht die Nektarmenge

Wie viel Nektar Insekten im urbanen Raum zur Verfügung steht, zeigt eine im Januar im Journal of Ecology erschienene Studie: Forscher aus Bristol untersuchten das Nektarangebot in vier britischen Städten und verglichen die Zahlen mit vorhandenen Daten aus der Agrarlandschaft und aus Naturschutzgebieten. Dabei unterschied sich die Nektarmenge in der Stadt nicht signifikant von den anderen beiden Landschaftstypen. Allerdings stellte sich heraus, dass in Städten eine größere Vielfalt an Nektarquellen zur Verfügung steht und im Schnitt 85 Prozent des Nektars aus Privatgärten stammen. Auch wer mitten in der Stadt wohnt, kann deshalb viel dazu beitragen, die Blütenbestäuber zu schützen.

„Bei der Rolle der Stadtgärten gibt es Unterschiede, je nachdem, welche Bestäuberarten man sich anschaut“, sagt Warzecha. „Bienen scheinen stark davon zu profitieren, dass sie durch die kleinräumige Struktur der städtischen Grünflächen weniger lange Distanzen zwischen den verfügbaren Blüten und ihren Nistplätzen zurücklegen müssen.“ Schwebfliegen hingegen, die zweitwichtigste Gruppe der Bestäuber, seien in Städten in den letzten Jahren seltener anzutreffen. „Ein Grund dafür könnte sein, dass Städte ein wärmeres Mikroklima haben als das Umland und die meisten Schwebfliegenarten nicht ganz so warme Temperaturen mögen wie Bienen“, sagt Warzecha. Bei Schmetterlingen sei neben dem Nahrungsangebot auch entscheidend, dass nicht zu oft gemäht werde, damit genügend Puppenstuben zur Verfügung stünden, aus denen die Falter schlüpfen könnten.

Auf die Schönheit kommt es nicht an

Der große Vorteil der Gärten liegt trotz ihres flächenmäßig kleineren Anteils gegenüber der Agrarlandschaft darin, dass darin meist durchgängig irgendetwas blüht. „Felder sind im Frühjahr und im Spätsommer eher blütenarm“, sagt der Ökologe Frank Jauker, der an der Universität Gießen zu Bestäubergemeinschaften forscht. In Gärten gebe es solche Lücken nicht. Die Bestäuber können sich dadurch über einen langen Zeitraum mit Nektar versorgen.

Den Bienen dient der energiereiche Zuckersaft gewissermaßen als Treibstoff für die Erwachsenen, während der eiweißreiche Pollen an den Nachwuchs verfüttert wird. Weibliche Schwebfliegen brauchen ebendiese Pollenproteine, um Eier bilden zu können, andere Bestäuber wiederum fressen ausschließlich Nektar. Manche Arten sind bei der Futterquelle nicht wählerisch, Honigbienen zum Beispiel fliegen eine Vielzahl verschiedener Pflanzen an, auch exotische Gewächse. „Für die Tiere ist die Herkunft der Pflanzen häufig nicht so wichtig“, sagt Jauker. Es komme allerdings auf die Gestalt der Blüten an – und der Mundwerkzeuge: Insekten mit eher kurzem Saugrüssel benötigen offene Blüten wie etwa die der Gänseblümchen, während Hummeln dank ihres langen Rüssels auch tiefe Blütenkelche nutzen können. Grundsätzlich sei die heimische Flora eine gute Wahl, sagt Jauker. Mit diesen Pflanzen seien die Insekten vertraut.

Wichtiger als die Herkunft ist jedoch, dass sie überhaupt Nektar und Pollen produzieren. „Man sollte immer natürliche Sorten wählen und Zuchtsorten vermeiden, die nur auf Ästhetik und Duft ausgerichtet sind“, sagt Alexandra Klein von der Universität Freiburg. Viele gezüchtete Tulpen böten im Gegensatz zu Wildtulpen kaum Nektar und weniger Pollen. Auch Forsythien sind ein Flop: Sie locken Insekten zwar mit ihrer leuchtend gelben Farbe an, bilden aber keinen Nektar. Problematisch sind oft auch „gefüllte“ Blüten. Solche Rosen sind für Bestäuber trotz ihrer fulminanten Blütenpracht weitgehend nutzlos. „Bei Rosen wurden viele Staubblätter durch die Zucht in Blütenblätter umgewandelt“, erklärt Klein.

Entweder sei deshalb kaum noch Pollen vorhanden, oder die Blüten seien so dicht mit Blättern gefüllt, dass Bestäuber schwer an ihre Nahrung herankommen. Selbst bei Mischungen für Wildblumenwiesen lohnt sich ein genauer Blick auf das Samentütchen: Oft sind aus ästhetischen Gründen Pflanzen mit gefüllten Blüten beigemengt. Das Beste sei, in seinem Garten viel Unterschiedliches auszuprobieren, sagt Frank Jauker. Zu viele Empfehlungen möchte er deshalb gar nicht erst aussprechen: „Es wäre kontraproduktiv, wenn alle in ihren Gärten das Gleiche machen würden.“

Wachsen lassen lohnt sich

Mit etwas Geduld können durchaus auch Hobbygärtner versuchen, Spezialisten unter den Bestäubern gezielt anzulocken: „Arten, die sich auf eine Pflanzenfamilie, Pflanzengattung oder Pflanzenart spezialisiert haben, haben es häufig besonders schwer“, sagt Alexandra Klein. Resedenmaskenbienen sammeln zum Beispiel ausschließlich Nektar und Pollen von Reseden. „Holt man die passenden Pflanzen in den Garten, lockt man mit großer Wahrscheinlichkeit früher oder später auch die entsprechende Bienenart an“, sagt Klein, zumindest Arten, die noch vergleichsweise häufig vorkommen. Und selbst wenn am Ende nicht die gewünschte Insektenart durch den Garten summt, profitieren wahrscheinlich auch andere von dem besonderen Blütenangebot.

Zusätzlich unterstützen können Gärtner die Bestäuber, indem sie diesen Nistmöglichkeiten bieten, zum Beispiel für Wildbienen, die sich in lockerem Erdreich ansiedeln. „Da ist es gut, wenn man keine Pestizide ausbringt und hier und da ein paar offene Bodenstellen hat, die nicht zugewachsen sind“, sagt Klein. Außerdem seien feuchte Stellen im Garten wichtig, an denen sich die Insekten mit Wasser versorgen könnten.

Als Insektenschützer kann man sich sogar Arbeit sparen. „Es kommt natürlich immer darauf an, wie stark der Ordnungssinn ausgeprägt ist“, sagt Daniela Warzecha. „Aber tendenziell lohnt es sich, auch einfach mal wachsen zu lassen, was kommt.“ Weil Insekten zum Beispiel das frequentieren, was meist als Unkraut gejätet wird, Disteln etwa. Dazu müsse man nicht den ganzen Garten umgestalten: „Eine kleine, wilde Ecke reicht. Im besten Fall mäht man zudem abschnittsweise und lässt immer ein wenig stehen, damit es zum Beispiel Puppenstuben für Schmetterlinge gibt und ein durchgängiges Blütenangebot erhalten bleibt.“ Wer ein bisschen Natur zulasse, könne für den Insektenschutz eine Menge erreichen.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Hahn, Rebecca
Rebecca Hahn
Freie Autorin in der Wissenschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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