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Partnerschaft im Tierreich

Warum auch monogame Vögel balzen

Von Johanna Michaels
 - 13:05
Die Turteltaube ist Vogel des Jahres 2020.

Als der Biologe Trevor Price einen weiblichen Distelfinken einfing, um ihn zu beringen, machte er eine nicht unübliche Beobachtung: Auf dem gesamten Weg zur Forschungsstation verfolgte ihn aufgeregt der Partner des Vogels und wartete anschließend ungeduldig in einer Baumkrone. Als der Biologe die Finkin endlich freiließ, flog das Paar Seite an Seite davon – welch romantisches Bild! Price und seine Kollegen der Universitäten in Chicago und North Carolina vermuten allerdings, dass diese scheinbar romantische Bindung auf allzu nüchterne evolutionäre Prozesse zurückzuführen ist.

In monogamen Partnerschaften zeigen viele Männchen zur Paarungszeit ihre bunten Federn. Schon seit längerem ist bekannt, dass dies die Weibchen dazu anregt, mehr Nachwuchs zu produzieren. Schmücken sich die Herren also als gefiederte Machos nur deshalb so prachtvoll, damit ihre Partnerin ihnen die anstrengende Aufzucht der Jungen abnimmt? Die Biologen gingen den evolutionären Mechanismen hinter dem Verhalten auf den Grund.

Während es für das Männchen von Vorteil ist, dass das Weibchen mehr Eier legt und die Jungen besser pflegt, gilt für das Weibchen das Gegenteil: mehr Energie in Eier und Aufzucht zu stecken, schadet ihm und somit auch zukünftigen Nachkommen. Mit Hilfe eines mathematischen Modells zeigten die Forscher, dass sich hinter dem Paarungsverhalten der monogamen Vögel ein sensibles Balance-Spiel verstecken könnte. Regt nämlich das bunte Gefieder des Männchens das Weibchen dazu an, vier statt nur drei Eier zu legen, werden besonders bunte Männchen einen evolutionären Vorteil haben.

Auf der anderen Seite setzen sich diejenigen Weibchen durch, die sich nicht allzu sehr vom Federschmuck beeindrucken lassen und stattdessen auf ihre Gesundheit achten. Am Ende wären also alle Männchen schön bunt, und alle Weibchen legten trotzdem nur drei Eier. Würden die Männchen jetzt aber – aus Frust gewissermaßen – auf ihren Putz verzichten, würden die Weibchen wegen des fehlenden Reizes nur noch zwei Eier legen und damit den Bestand der Art gefährden. Das bunte Gefieder ist also doch kein Machogehabe, sondern hilft dem Paar, jedes Jahr die richtige Anzahl an Nachkommen großzuziehen – eine Kooperation, die beiden nutzt. „Kooperation ist ein Ergebnis, das trotz individueller Kosten in angemessenem Sinne gut für die Teilnehmer und nur durch kollektives Handeln zu erreichen ist“, schreiben die Forscher – ein Satz, der in seiner nüchternen Schönheit nicht nur die Beziehungen von Vögeln beschreibt.

Quelle: F.A.Z.
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