Stechmücken-Falle

Mit Autoreifen gegen Zika-Überträger?

Von Reinhard Wandtner
20.04.2016
, 13:02
Alte Autoreifen bilden eine für weibliche Stechmücken verlockende Brutstätte.
Reifen, gefüllt mit einem Lockmittel, werden tropischen Stechmücken zum Verhängnis. Hilft diese Methode auch bei der Bekämpfung von Zika, Dengue und Gelbfieber?

Mit einer billig herzustellenden Falle können Stechmücken der Gattung Aedes wirksam bekämpft werden. Das berichten Forscher aus Kanada und Mexiko. Aedes-Stechmücken übertragen verschiedene Viren, etwa die Erreger des Dengue- und Gelbfiebers. Überdies werden sie verdächtigt, das Zika-Virus zu verbreiten, das sich seit ein paar Monaten von Brasilien aus nordwärts bis in die südlichsten Bundesstaaten Nordamerikas auszubreiten droht.

Als Material für die „Ovillanta“ genannte Falle dienen alte Autoreifen. Jeweils zwei 50 Zentimeter lange Stücke bilden eine für weibliche Stechmücken verlockende Brutstätte. Der untere Teil wird mit einer aus Milch hergestellten Flüssigkeit gefüllt. Über ein dort angebrachtes Ventil kann sie auch abgelassen werden. Gefiltert und aufbereitet lässt sich die Flüssigkeit wiederverwenden. Um die Anziehungskraft auf Stechmücken noch zu steigern, mischt man ihr Spuren eines Pheromons bei. Es handelt sich um einen von Mückenweibchen produzierten Duftstoff, der weitere Artgenossinnen zu der scheinbar vorzüglichen Brutstätte lockt.

Günstige Mückenbekämpfung

Die Mücken legen dann ihre Eier auf Papierstreifen oder Holzstücken in der Falle ab. Zweimal pro Woche werden die Gelege herausgeholt und vernichtet, etwa mit Alkohol oder durch Verbrennen. Forscher um Gerardo Ulibarri von der kanadischen Lauretian-Universität sowie Angel und Mireya Betanzos vom mexikanischen Nationalen Institut für Öffentliche Gesundheit haben 84 Ovillanta-Fallen in Guatemala geprüft. Während der zehn Monate dauernden Untersuchung konnten sie monatlich mehr als 18.000 Aedes-Eier sammeln und vernichten. Mit 84 herkömmlichen Mückenfallen, die zum Vergleich aufgestellt wurden, ließ sich nur rund ein Siebtel dieser Menge gewinnen.

Die neue Falle verheiße, so die Forscher, nicht nur eine wirksame, sondern auch günstige Mückenbekämpfung. Verglichen mit der ökologisch bedenklichen Anwendung von Pestiziden beliefen sich die Kosten auf ein Fünftel. Die Forscher berichten zudem über eine spannende, wissenschaftlich aber wohl noch nicht bestätigte Beobachtung: Im Untersuchungsgebiet sei kein einziger Fall von Denguefieber mehr aufgetreten. Zu erwarten wären indes in diesem Zeitraum mindestens zwei bis drei Dutzend Erkrankungen gewesen.

Quelle: F.A.Z.
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