FAZ plus ArtikelKontroverse um Erziehungsstile

Wie streng sollten Eltern sein?

Von Stella Marie Hombach
17.01.2022
, 12:51
Ausgesperrt zu werden ist für Kleinkinder eine Qual. Ist es dennoch eine gute Erziehungsmethode?
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Ein strikter Erziehungsstil ist bei jungen Vätern und Müttern beliebt, obwohl Studien die Nachteile für das Kind belegen. Dahinter steckt oft Angst – und die eigene Geschichte.
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In Talkshows und Podiumsdiskussionen war der Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhoff lange ein gern gesehener Gast: Er saß bei Anne Will, plauderte mit Markus Lanz und erteilte bei Sandra Maischberger Ratschläge, wie Eltern ihren Nachwuchs erziehen sollten. Seine These lautete etwa so: Eltern seien heutzutage nicht mehr in der Lage, ihren Kindern Grenzen zu setzen – dadurch wachsen diese zu manipulativen Narzissten heran. „Warum unsere Kinder Tyrannen werden“ oder „Deutschland verdummt“ lauteten die Titel seiner populärwissenschaftlichen Sachbücher, von denen mehr als 1,4 Millionen Exemplare verkauft wurden.

Nun laufen Strafanzeigen gegen den Psychiater aus Bonn. Im Sommer 2021 wurden schwere Vorwürfe erhoben: Ihm wird vorgeworfen, Minderjährigen teils ohne Zustimmung der Erziehungsberechtigten über Jahre ruhigstellende Medikamente verschrieben zu haben. Oft dia­gnostizierte er Kindern eine sogenannte „Entwicklungsretardierung mit Fixierung im frühkindlichen Narzissmus und in der ödipalen Phase“ oder auch eine „Eltern-Kind-Symbiose“. Im ICD, dem internationalen Klassifikationssystem, anhand dessen Ärztinnen und Ärzte Krankheiten verschlüsseln und abrechnen, kommen beide Diagnosen nicht vor.

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Quelle: F.A.S.
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