Der Gepard

Was einen Rekordsprinter ausmacht

Von Diemut Klärner
10.05.2022
, 20:57
Vorliebe für kleine Huftiere: Geparden attackieren ihre Beute nach kurzem Spurt.
Schnelle Beine und elastisches Rückgrat: Der Gepard ist ein Bewegungswunder und in puncto Schnelligkeit allen Vier- und Zweibeinern überlegen. Das bestätigen auch Modellrechnungen.
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Raubtiere auf der Jagd nach Beute liefern sportliche Höchstleistungen. Allen voran der Gepard. Mit Spitzengeschwindigkeiten von etwa 100 Kilometer pro Stunde präsentiert er sich als der schnellste Sprinter im gesamten Tierreich. Messungen in freier Wildbahn ergaben, dass er zweihundert Meter in sieben Sekunden zurücklegen kann. Zum Vergleich: Für diese Strecke brauchte selbst ein Usain Bolt bei seinem Weltrekord mehr als 19 Sekunden. Heimisch in Steppen und Wüstengebieten, stellt der Gepard mit Vorliebe Gazellen und anderen kleinen Huftieren nach. Wenn er sich unbemerkt angepirscht hat, versucht er das Beutetier in einem rasanten Spurt einzuholen und niederzuwerfen. Mit hoher Erfolgsrate, obwohl er meistens weit unter seiner Höchstgeschwindigkeit bleibt und wenig Ausdauer zeigt. Hat ein Gepard seine Beute ein paar Hundert Meter weit vergeblich verfolgt, so lässt er sie entwischen.

Doch wie gelingt es dieser Katzenspezies, in puncto Schnelligkeit alle Vier- und Zweibeiner um Längen zu schlagen? Dass Geparde auffallend hochbeinig und schlank daherkommen, scheint als Erklärung nicht auszureichen. Welche wichtige Rolle die biegsame Wirbelsäule spielt, haben kürzlich Biologen um Tomoya Kamimura vom Nagoya-Institut für Technologie und Shinya Aoi von der Universität Kyoto untersucht, indem sie die Bewegungsdynamik beim Sprinten mit Modellrechnungen analysierten.

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Vorwärts im schwebenden Galopp

Um mit hoher Geschwindigkeit vorwärtszukommen, laufen Geparde im Galopp, einer Gangart, bei der Vierbeiner zeitweilig überhaupt keinen Bodenkontakt haben. Anders als beispielsweise Pferde wechseln Geparde in dieser Schwebephase zwischen zwei Varianten: Wenn sie mit ihren Vorderpfoten gerade den Bodenkontakt verloren haben, bewegen sich – wie bei einem galoppierenden Pferd – Vorder- und Hinterbeine unter dem Körper aufeinander zu. Haben sich Geparde dagegen mit den Hinterpfoten abgestoßen, werden Vorder- und Hinterbeine weit ausgestreckt. Dabei streckt sich auch das Rückgrat, das sich beim Abheben der Vorderpfoten wieder krümmt.

Um die Verformung der Wirbelsäule in einem mathematischen Modell berücksichtigen zu können, stellten die japanischen Forscher den Körper des Gepards durch zwei Massen dar, die über eine Feder flexibel miteinander verbunden sind. Damit wird der komplexe Bewegungszy­klus zwar stark vereinfacht. Das Modell kann aber erklären, warum die elegante Raubkatze aufeinanderfolgende Schwebephasen unterschiedlich gestalten muss, um Spitzenleistungen zu erzielen. Wie Kamimura und seine Kollegen in den „Scientific Reports“ berichten, könnten Geparde beim Galopp theoretisch zwar auch ausschließlich Schwebephasen jenes Typs einsetzen, bei dem die Wirbelsäule gestreckt wird.

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Warum sich Geparde so rar machen

Wenn sich Streckung und Krümmung des Rückgrats abwechseln, erlaubt das allerdings eine schnellere Schrittfolge. Das führt zu einem flotteren Tempo, weil die Hinterpfoten mit höherer Frequenz Bodenkontakt aufnehmen. Denn jedes Mal, wenn sich ein Gepard im Galopp mit seinen Hinterbeinen vom Boden abstößt, beschleunigt er kräftig. Abgebremst wird erst wieder, wenn die Vorderpfoten aufsetzen. Die Hinterbeine schwingen dann aber schon wieder nach vorne, um nach einer kurzen Schwebephase abermals mit einem Kick für Beschleunigung zu sorgen.

Die für Höchstleistungen optimierte Lauftechnik macht Geparde aber nicht unbedingt zum Erfolgsmodell der Evolution: Jagderfolg nützt ihnen wenig, wenn Löwen oder Hyänen vorbeikommen und ihnen die Beute rauben. Außerdem vergreifen sich beide Raubtiere auch gern am Nachwuchs des Gepards. Kein Wunder, dass der Spezialist für blitzschnelle Sprints den stärkeren Konkurrenten möglichst aus dem Weg geht. Vielleicht ein Grund, warum sich Geparde im Vergleich zu Löwen und Hyänen so rar machen. Oft streifen sie dort umher, wo sich kaum andere Raubtiere tummeln, aber auch wenig potentielle Beutetiere.

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Weit verstreut in Afrikas Savannen und Halbwüsten leben weniger als siebentausend erwachsene Geparde, Tendenz weiter abnehmend. Die „International Union for Conservation of Nature“ (IUCN) listet diese Katzenspezies deshalb als gefährdet ein. In Asien ist der Gepard bereits ausgestorben, mit Ausnahme einer kleinen Population in Iran. Da diese Subspezies namens Acinonyx jubatus venaticus auf weniger als hundert Tiere geschätzt wird, gilt sie als „Critically Endangered“, also vom Aussterben bedrohte Art.

Quelle: F.A.Z.
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