FAZ plus Artikel125 Jahre Röntgenstrahlen

Der verräterische Blick ins Innere

Von Piotr Heller
Aktualisiert am 14.11.2020
 - 08:41
Ein Sicherheitsscanner am Flughafen hat zwei Röntgendetektoren. Einer registriert die Strahlen mit niedriger Energie, der andere die mit hoher. Daraus kann das System auf die Materialien schließen und markiert Metall anders als organische Stoffe. Aber worum handelt es sich bei den beiden rechteckigen Objekten im Koffer? Diese Frage kann man nur mit einem anderen Trick klären. zur Bildergalerie
Nur wenige physikalische Entdeckungen haben die Möglichkeiten der Medizin derart erweitert – und somit Leben gerettet – wie die eigentümliche Strahlung, auf die Wilhelm Conrad Röntgen vor 125 Jahren eher unabsichtlich stieß.

Magisch ist kein Wort, das man in einer naturwissenschaftlichen Publikation erwarten würde. Schon gar nicht in einem so angesehenen Fachjournal wie Radiology, der Zeitschrift der amerikanischen Gesellschaft für Radiologie. Und doch griffen die niederländischen Forscher in ihrem Beitrag aus dem Jahr 2011 bei der Beschreibung eines Experiments zu genau diesem Wort. Ihr Versuchsaufbau ähnelte dem, mit welchem der Würzburger Physikprofessor Wilhelm Conrad Röntgen am 8. November 1895 die nach ihm benannten Strahlen entdeckte.

Genau wie Röntgen nutzten auch die Niederländer einen Funkeninduktor. Das ist ein mittlerweile historisches Gerät zur Erzeugung von Hochspannungsimpulsen. Als sie es einschalteten, summte es und spuckte kleine Blitze. Damit setzten sie zwei Elektroden in einer weitgehend leer gepumpten Glasröhre unter Spannung. Die Röhre begann grün zu leuchten, es roch nach Ozon. Diese Atmosphäre war es, die den Autoren des Radiology-Artikels als „beinahe magisch“ vorgekommen war. Und ungefähr so müsse sie auch den Physikern vorgekommen sein, die im 19. Jahrhundert mit solchen Röhren experimentierten, vermutet Uwe Busch, der Direktor des Deutschen Röntgen-Museums in Remscheid. Heute wissen wir, dass dort Elektronen durch die Röhre fliegen und die darin befindlichen Reste von Gasen zum Leuchten anregen. Damals hätte man nicht einmal gewusst, was Elektronen sind, sagt Busch. „Diese Maschinen in einem dunklen Raum zu betreiben, das hatte schon etwas Frankensteinartiges.“

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Quelle: F.A.S.
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