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Die kranken Helden vom 11. September

Von Johanna Kuroczik
11.09.2021
, 08:00
Wo die Twin Towers standen, blieb nur noch Schutt und Rauch zurück. In diesen giftigen Dämpfen arbeiteten Rettungskräfte monatelang - meist ohne Atemschutz.
Monatelang kämpften sich Rettungskräfte nach dem 11. September durch den Schutt, der vom World Trade Center übrig geblieben war. Das hat viele krank gemacht – der Staub war giftig, Tausende leiden an Krebs oder Lungenerkrankungen. Doch die kranken Helden wurden lange ignoriert.
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Am 11. September 2001 starben bei dem Terroranschlag auf das World Trade Center mehr als 2700 Menschen. Noch mehr Menschen verloren an diesem Tag ihre Gesundheit: Rettungskräfte, Feuerwehrleute, Polizisten und die Anwohner von New York City. Ihr Tod kommt in Raten. Das zeigt sich mittlerweile, zwanzig Jahre nachdem zwei Flugzeuge an jenem Septembermorgen mit ungewöhnlich blauem Himmel in die berühmten Zwillingstürme von Manhattan rasten. Diese brachen in sich zusammen, in einer gigantischen Staubwolke, die wie eine Flutwelle in die umliegenden Straßen einbrach. Der Staub begrub Menschen, Häuser und Autos, er kroch in Gebäude, verstopfte Lüftungsanlagen und wurde monatelang immer wieder aufgewirbelt. Ersthelfer wühlten im Schutt nach Überlebenden, die Aufräumarbeiten dauerten Monate, und noch bis in den Dezember loderten Feuer im Geröll unter ihren Füßen.

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Dieser Staub war giftig, und rund 2000 Todesfälle wurden seither damit in Verbindung gebracht. Das Ausmaß der gesundheitlichen Schäden wird deutlich: Lungenkrankheiten, Krebs, Depressionen – 65.000 Rettungskräfte und Anwohner sind bereits erkrankt, meist an mehr als einem Übel. Bis zum Sommer dieses Jahres haben sich mehr als 112.000 Menschen, die dem toxischen Staub über längere Zeit ausgesetzt waren, beim World Trade Center Health Program registriert.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Kuroczik, Johanna
Johanna Kuroczik
Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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