Brustkrebspatientinnen

Leidvolle Nebenwirkung

Von Hildegard Kaulen
02.08.2016
, 21:28
Wenn der Krebs weg ist, aber die Schmerzen bleiben: Viele Patientinnen leiden nach der Operation.
Viele Brustkrebspatientinnen leiden nach der Operation unter chronischen Schmerzen. Die Entfernung der Lymphknoten ist die Hauptursache dafür – doch es gibt weitere Risikofaktoren.
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Viele Frauen leiden nach einer Brustkrebsoperation unter chronischen Schmerzen, was ihre Lebensqualität deutlich reduziert. Doch noch immer sind deren Ursachen nicht völlig geklärt. Jason W. Busse von der McMaster-Universität im kanadischen Hamilton und seine Kollegen haben nun fünf Risikofaktoren für chronischen Schmerz nach Brustkrebs identifiziert. Ein höheres Risiko haben demnach stets jüngere Frauen, Patientinnen, deren Lymphknoten aus der Achselhöhle entfernt worden sind, sowie Frauen, die sich einer Strahlentherapie unterzogen haben, und Frauen, die vor oder unmittelbar nach der Operation große Schmerzen hatten.

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Den größten Einfluss hat die Entfernung der Lymphknoten, weil dabei wahrscheinlich sensorische Nerven durchtrennt werden. Dieser Eingriff erhöht das Risiko für chronischen Schmerz nach einer Brustkrebsoperation um 21 Prozent. Die anderen vier Risikofaktoren haben einen weitaus geringeren Einfluss. Die Art der Operation spielt keine Rolle. Es hat auch keine Einfluss, ob die Patientinnen brusterhaltend operiert worden sind oder ob ihnen die gesamte Brust entfernt worden ist. Auch eine Chemo- oder Hormontherapie ist kein Risikofaktor für chronischen Schmerz nach Brustkrebs. Das Körpergewicht der Patientinnen spielt ebenfalls keine Rolle.

Wirkung der Strahlendosis nicht geklärt

Einen möglichen Einfluss könnten allerdings noch die Begleiterkrankungen der Patientinnen haben sowie die verabreichte Strahlendosis. Die analysierten Daten reichen nicht aus, um deren Wirkung eindeutig zu klären. Busse und seine Kollegen haben dreißig Beobachtungsstudien mit knapp zwanzigtausend Brustkrebspatientinnen ausgewertet. Die Ergebnisse sind jetzt im kanadischen Ärzteblatt veröffentlicht worden. „Unsere Analyse hat gezeigt, dass Frauen nach einer Brustkrebsoperation eher chronische Schmerzen bekommen, wenn die Chirurgen bei der Entfernung der Lymphknoten in den Achseln Nerven durchtrennen“, schreibt Busse in einer Erklärung. „Allerdings sind wir derzeit nicht sicher, ob ein nervenschonendes Vorgehen während der Brustkrebsoperation die Entstehung der chronischen Schmerzen tatsächlich verhindert.“

Die Kanadier plädieren daher dafür, durch weitere Studien zu klären, welche Wirkung ein nervenschonenderes Vorgehen auf die Entstehung des chronischen Schmerzes hat. Von den fünf identifizierten Risikofaktoren ist die Entfernung der Lymphknoten der einzige, der einen merklichen Einfluss hat und der sich mit einer nervenschonenden Lymphknotenchirurgie auch tatsächlich angehen lässt.

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Weil die Überlebensrate nach Brustkrebs heute recht hoch ist – 83 Prozent der Patientinnen sind zehn Jahre nach der Diagnose noch am Leben –, ist der chronische Schmerz ein drängendes Problem. Nach den Angaben der kanadischen Ärzte haben 25 bis 60 Prozent der Brustkrebspatientinnen chronische Schmerzen. In Deutschland leiden 34 Prozent der Frauen nach einer Brustkrebsoperation unter anhaltendem Schmerz. Diese Zahl haben Stefan Feiten vom Institut für Versorgungsforschung in der Onkologie in Koblenz und seine Kollegen vor zwei Jahren im „Deutschen Ärzteblatt“ publiziert (Bd. 111, S. 244). Mit der Kenntnis der Risikofaktoren können die Frauen mit höherem Risiko vielleicht besser beraten und unterstützt werden.

Quelle: F.A.Z.
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