FAZ plus ArtikelLangzeitfolgen von Covid-19

Das Gehirn ist keine sichere Insel

Von Juliette Irmer
03.02.2021
, 11:35
Viele der „Neuro-Covid“-Opfer klagen über anhaltende Erschöpfung und Konzentrationsmangel.
Sars-CoV-2 verursacht ein breites Spektrum an neurologischen Störungen, die zudem lange andauern können. Was heißt das: Mehr Seelenleiden, mehr Demenzen?

Zu Beginn der Pandemie waren Neurologen nicht weiter beunruhigt: Patienten berichteten über Kopfschmerzen und Schwindel, diffuse Beschwerden, die auch bei anderen Viruserkrankungen häufig sind. Heute sind mehr als vierzig neurologische Symptome bekannt, die im Zusammenhang mit Covid-19 stehen. Bis zu 50 Prozent der hospitalisierten Patienten leiden an mindestens einer neurologischen Auffälligkeit: Viele Patienten riechen und/oder schmecken nicht mehr, andere klagen über massive Muskel- oder Kopfschmerzen, bei manchen ist das Bewusstsein getrübt, und in seltenen Fällen erleiden Patienten gar Krampfanfälle oder einen Schlaganfall.

„Das Hauptorgan ist die Lunge. Es gibt aber auch Fälle, wenn auch selten, wo neurologische Symptome im Vordergrund stehen und die Lunge kaum betroffen ist, und das altersunabhängig“, sagt der Neurologe Raimund Helbok von der Medizinischen Universität Innsbruck. Wegen der vielen neurologischen Facetten von Covid-19 sprechen Mediziner mittlerweile von „Neuro-Covid“.

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Covid-19-Risiko für Spermien

Covid-19-Risiko für Spermien Beeinträchtigt Sars-CoV-2 auf lange Sicht die Fruchtbarkeit von Männern? Wird das Virus von Infizierten mit dem Sperma übertragen? Seit den ersten Monaten der Pandemie, seitdem das neue Coronavirus in den Hoden verstorbener Covid-19-Patienten nachgewiesen wurde, beschäftigt das auch die Reproduktionsmediziner. In der Zeitschrift „Reproduction“ sind soeben zwei Publikationen erschienen, die zumindest eine Sorge nehmen – und eine andere weiter anheizen. Bis in die Samenflüssigkeit oder die Spermien dringen die Erreger offenbar nicht in großer Zahl ein, eine Übertragung durch Geschlechtsverkehr scheint damit ausgeschlossen. So deuten zwei Reproduktionsexperte der Huazhong University in Wuhan die empirischen Belege aus Dutzenden Studien. Anders sieht es bei der Schädigung der Hoden aus: Den beiden Medizinern zufolge wird der Hoden von schwerkranken Patienten geschädigt und eine Hodenentzündung ausgelöst, die die Spermienproduktion wie andere Viren auch nachhaltig schädigen könnte. In eine ähnliche Richtung geht die Veröffentlichung des an der Universität Gießen tätigen iranischen Forschers Behzad Hajizadeh Malek. Er hat durch den Vergleich von 84 Covid-19-Patienten und 105 etwa gleichaltrigen gesunden Männern gezeigt: Die Spermien der Covid-Patienten zeigen je nach Schweregrad der Krankheit Entzündungsmerkmale und leiden unter oxidativem Stress. Die Spermienkonzentration war bis zum Fünffachen reduziert, die Beweglichkeit um das Zweifache, und es wurden viermal so viele ungewöhnlich geformte Spermien entdeckt. Ob diese Veränderungen länger anhalten, ist noch unklar. Von Joachim Müller-Jung

Quelle: F.A.Z.
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