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Neue Corona-Kennwerte braucht das Land

Von Johanna Kuroczik
Aktualisiert am 25.10.2020
 - 10:00
Ein Mund-Nasen-Schutz liegt auf dem Asphalt einer Einkaufsstraße. zur Bildergalerie
Steigende Neuinfektionen versetzen Deutschland in Corona-Panik. Doch auch andere Parameter als allein die Zahl der Infizierten sind jetzt entscheidend für die Einschätzung der Corona-Pandemie in diesem Winter.

Eine scheinbar banale Weisheit wird jungen Ärzten zumeist während ihrer ersten Tage im Krankenhaus eingebleut: Man behandelt keine Laborwerte, sondern einen Menschen. So mag der Nierenwert in der Blutuntersuchung auffällig hoch sein, doch vielleicht hat der Patient nur zu wenig getrunken. Gleichwohl können die Leberwerte im grünen Bereich liegen und der Patient trotzdem an einer schweren Leberzirrhose leiden. Und wenn ein ganzes Land von einem Virus geplagt wird? Welche Werte muss man kennen, um den Gesundheitszustand einzuschätzen? Derzeit scheint nur eines zu zählen: die Zahl der Neuinfektionen. Lag sie Ende August noch bei weniger als 800 Fällen pro Tag, wurde diese Woche 10.000 überschritten und am Samstag waren es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) sogar mehr als 14.714 Neuinfektionen.

Nachrichtensprecher verkünden die steigenden Zahlen meist direkt zu Beginn ihrer Sendung, Zeitungen halten die Öffentlichkeit mit Live-Tickern und Eilmeldungen praktisch minutiös auf dem Laufenden, und auch für Politiker scheint kein anderer Parameter bedeutsam – Markus Söder spricht von der „Mutter aller Zahlen“, mit der Maßnahmen von Sperrstunde bis Maskenpflicht im Klassenzimmer zu begründen sind. Der Zahlenwert täglicher Neuinfektionen ist der Taktgeber der Pandemie und für die Bürger mittlerweile ein Indikator, wie viel Angst sie haben müssen.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Kuroczik, Johanna
Johanna Kuroczik
Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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