Neue Studien

Impfung schützt Schwangere

Von Andreas Jäger
13.01.2022
, 19:50
Nicht alle werdenden Mütter wollen sich gegen Covid-19 impfen lassen, doch eine Infektion während der Schwangerschaft birgt Risiken.
Erkrankt eine werdende Mutter an Covid-19, kann das katastrophale Folgen haben, auch für das Kind. Davor scheint die Impfung zu schützen, wie zwei Studien aus Schottland und USA nahelegen. Dennoch sind viele Frauen verunsichert.
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Viele schwangere Frauen sind verunsichert: Sollen sie sich gegen Covid-19 impfen lassen, kann die Impfung dem Baby schaden? Bekannt ist, dass eine Erkrankung mit Covid-19 während der Schwangerschaft schwere Folgen für Mutter und Kind haben kann, es drohen etwa eine schwere Bluthochdruckerkrankung, Präeklampsie, oder eine Frühgeburt.

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Dass eine Corona-Impfung während der Schwangerschaft nicht nur die Mutter, sondern auch das Kind schützen kann, belegen nun umfassende Daten einer nationalen Gesundheitsstudie aus Schottland. Vom 1. Dezember 2020 bis Ende Oktober 2021 wurden dort fast 5000 Infektion mit SARS-CoV-2 bei Schwangeren diagnostiziert: Mehr als 77 Prozent der infizierten Frauen hatten sich nicht impfen lassen. Jede fünfte ungeimpfte Schwangere musste im Krankenhaus behandelt werden, bei den Geimpften war es nur jede zwanzigste. Und von denen, die so schwer erkrankten, dass sie intensivmedizinisch betreut werden mussten, waren 98 Prozent ungeimpft, wie das Forscher-Team um Perinatal-Medizinerin Sarah Stock von der Universität Edinburgh in Nature Medicine berichtet.

Schwangere auf Intensivstationen fast ausschließlich ungeimpft

Ob die werdende Mutter geimpft war, wirkte sich auch auf das Kind aus: Von 2364 Babys, die von Müttern geboren wurden, bei denen während des Untersuchungszeitraums eine Infektion mit SARS-CoV-2 festgestellt wurde, kamen elf tot zur Welt und acht starben kurz nach der Geburt. In allen Todesfällen waren die Mütter ungeimpft, die meisten hatten sich erst wenige Wochen vor der Geburt mit SARS-CoV-2 angesteckt. Die Todesrate lag also bei ungeimpften Schwangeren höher als bei Geimpften oder der Normalbevölkerung. Da den Forschern keine detaillierten Krankenakten vorlagen, konnten sie keine Angaben machen, in welcher Weise die Covid-19-Erkrankung zu den Unglücksfällen beigetragen hatte.

Das Risiko im Krankenhaus behandelt werden zu müssen, war generell bei werdenden Müttern höher, wenn sie sich zu einem fortgeschrittenen Zeitpunkt ihrer Schwangerschaft infizierten. Seit Beginn der Impfkampagne Ende 2020 bis zum 31. Oktober 2021 ließen sich in Schottland rund 18.500 Schwangere impfen. Von allen Schwangeren, die im Oktober 2021 entbunden hatten, waren nur 32 Prozent vollständig geimpft, verglichen mit 77 Prozent in der Normalbevölkerung.

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Die Gründe für diesen Impfrückstand, der nahezu deckungsgleich mit anderen Industrienationen ist, sind verschieden: Zunächst wurde eine Schutzimpfung erst mit Verspätung für Schwangere empfohlen – in Großbritannien am 16. April 2021 – wohingegen die Impfkampagne für die restliche Bevölkerung, begonnen mit medizinischem Personal und vulnerablen Personengruppen, schon im Dezember 2020 gestartet war. In den eiligen Zulassungsverfahren der Impfstoffe hatte man Schwangere zunächst nicht gesondert berücksichtigt.

Als dann die Empfehlung nachträglich erteilt wurde – Probandinnen, die unerwartet während der Zulassungsverfahren schwanger geworden waren, belegten die Sicherheit der Impfstoffe für werdende Mütter – streuten Impfgegner gezielt Falschmeldungen, beispielsweise, dass eine Impfung gegen SARS-CoV-2 unfruchtbar mache. Obwohl dafür nie Belege geliefert wurden und Mediziner solche Mythen entkräfteten, sahen sich viele Schwangere wohl verunsichert – und ließen sich nicht impfen.

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Da die Impfkampagne für Schwangere erst mit Verzug begann und zu dem Startzeitpunkt bereits Skepsis gegenüber dem Vektor-Impfstoff von Astra-Zeneca herrschte, erhielten die meisten Schottinnen, die ein Kind erwarteten und sich impfen ließen, das Vakzin von Biontech.

Während die Daten aus Schottland darauf hindeuten, dass ungeimpfte Schwangere umso eher wegen einer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus behandelten werden mussten, je später sie sich während ihrer Schwangerschaft infizierten, weisen Zahlen aus den USA darauf hin, dass es für die heranwachsenden Babys umgekehrt ist: Eine Infektion der werdenden Mutter in den ersten beiden Trimestern der Schwangerschaft steht im Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko niedrigen Gewichts ihrer Neugeborenen sowie einer Früh- oder gar Totgeburt.

Amerikanische Daten zu Covid-Fällen

Zu diesem Ergebnis kommt eine weitere Studie, die kürzlich in The Lancet Digital Health publiziert wurde. Dazu werteten Forscher des Institute for Systems Biology (ISB) aus Seattle die elektronischen Krankenakten von mehr als 18 000 auf SARS-CoV-2 getesteten Schwangeren fünf verschiedener US-Bundesstaaten retrospektiv aus. Die Frauen hatten zwischen dem 5. März 2020 und dem 4. Juli 2021 ihre Entbindung. Bei 882 von ihnen wurde eine Infektion mit SARS-CoV-2 während der Schwangerschaft nachgewiesen. Keine der positiv getesteten hatte eine Schutzimpfung erhalten. Diese Kohorte wurde mit denjenigen Frauen verglichen, die mindestens einen negativen PCR-Test vorweisen konnten und auch sonst während ihrer Schwangerschaft nie positiv getestet wurden.

Das wichtigste Ergebnis der Auswertung: Je früher sich die Corona-positiven Frauen während ihrer Schwangerschaft mit dem Virus infizierten, desto früher entbanden sie ihre Kinder. Wer sich in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft ansteckte, riskierte am ehesten, ein Frühchen zur Welt zur bringen – oder gar eine Totgeburt. Dabei korrelierte die Schwangerschaftsdauer jedoch nicht mit der Schwere des Krankheitsverlaufs der Mutter. Selbst Frauen, deren Neugeborene verstarben, waren zuvor nach einer Infektion nur mild oder moderat an Covid-19 erkrankt. Um sowohl werdende Mütter als auch deren Kinder zu schützen, müsse daher eine engmaschigere Vorsorge von mit dem Coronavirus infizierten Schwangeren erfolgen, schreiben die Mediziner.

Quelle: FAZ.NET
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