FAZ plus ArtikelCorona-Varianten

Was macht Delta so gefährlich?

Von Kai Kupferschmidt
25.07.2021
, 11:31
Tausende Proben täglich: Großraum-Labor des Labor-Diagnostikunternehmens Bioscientia
Immer neue Varianten von SARS-CoV-2 grassieren und lassen die Pandemie nicht enden, obwohl immer mehr Menschen geimpft sind. Forscher mühen sich, die nächsten Mutationen vorherzusagen. Warum gelingt das nicht?

Im Mai 2020 wagte der australische Biologe Edward Holmes eine Pro­gnose. Holmes ist Experte für die Evolution von Viren, und in einem Vortrag über SARS-CoV-2 legte er seine Überlegungen dar, wie sich das Virus in Zukunft verändern könnte: Es werde sich wohl wenig daran ändern, wie ansteckend das Virus sei, mutmaßte Holmes, aber die Gefährlichkeit werde vermutlich mit der Zeit sinken. Langfristig könnte sich der Erreger aufgrund des zunehmenden Immunschutzes in der Bevöl­kerung so verändern, dass er dem menschlichen Abwehrsystem besser entkommen und zu einem wiederkehrenden Wintervirus werden könnte, so wie andere saisonale Coronaviren. Tatsächlich hat SARS-CoV-2 es bereits geschafft, den Immunschutz zumindest einiger Menschen teilweise zu umgehen. Ansonsten aber habe er ziemlich danebengelegen, sagt Edward Holmes ein Jahr später. Denn das Virus ist gefährlicher geworden – und deutlich ansteckender.

Delta, die Virusvariante, die sich zurzeit weltweit rasant ausbreitet und in Deutschland bereits für drei Viertel aller Infektionen verantwortlich ist, ist nicht das gleiche Virus, das Ende des Jahres 2019 in der chinesischen Metropole Wuhan auftauchte. Jener Erreger hatte anfangs eine Reproduktionszahl von ungefähr 2 bis 3, das heißt: Ein infizierter Mensch steckte im Schnitt 2 bis 3 weitere an. Doch dann infizierte dieser immer mehr Menschen, das Virus breitete sich in der Bevölkerung aus, veränderte sich und irgendwann – vermutlich in China – entstand eine Variante, markiert durch eine winzige Mutation namens D614G, die sich besser verbreitete.

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Quelle: FAS
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