FAZ plus ArtikelGlobaler Gesundheitsbericht

Deutschland kollabiert an der Klimafront

EIN KOMMENTAR Von Joachim Müller-Jung
06.12.2020
, 13:31
Mehr Hitzeopfer zählte zuletzt kaum ein anderes Land, die Gesundheit leidet massiv unter dem Klimawandel. Mehr Vorsorge, fordert deshalb ein großer Medizinreport von Deutschland. Die „Nationale Gesundheitsreserve“ von Minister Spahn gibt es halt leider nur für Corona-Zeiten.

Deutschland kann alles, nur keine Prävention. Freundlicher formuliert: Vorsorge musste in den Köpfen der deutschen Gesundheitspolitik immer schon sorgfältig reifen. Reparatur brachte mehr. Prävention dagegen war und ist als Kostenfaktor schwerer zu verrechnen. Oder stand dem Ertrag im Weg: Erinnert sei an die Tabakrichtlinie. Damit ist nun Schluss. Corona treibt die Gesundheitspolitiker kaltblütig vor sich her, so wie die Pandemie auch die Digitalisierung antreibt.

„Nationale Gesundheitsreserve“ nennt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ein noch zu gründendes Netzwerk von 19 Standorten im Land, an denen für künftige Seuchen mit Schutzausrüstung, Masken, Beatmungsgeräten und Medikamenten vorgesorgt werden soll. Material für einen Monat soll vorgehalten werden, angefangen ab Ende 2021 mit Masken, damit man anders als zu Beginn der Corona-Pandemie aus Sorge vor Engpässen in Kliniken nicht wieder den Atemschutz mit falschen Argumenten schlechtreden muss. Und da die Regierung nun schon dabei ist, sich ernsthaft mit Vorsorgeplänen zu beschäftigen, kann sie auch nicht bei der Frage stehenbleiben, ob das Schutzmaterial dazu nun in China oder im eigenen Land produziert wird.

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Quelle: F.A.Z.
Joachim Müller-Jung- Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Joachim Müller-Jung
Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.
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