Genetische Aids-Therapie

Mit modifizierten Proteinen gegen HI-Viren

08.09.2009
, 23:00
Modell des HI-Virus
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Von den Nachtaffen lernen: Die verfügen nämlich über eine Proteinvariante, die die Ausbreitung des HI-Virus deutlich einschränkt. Eine entsprechende genetische Modifikation zeigt im Versuch an Mäusen Effekt.
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Forscher haben ein menschliches Protein genetisch so verändert, dass es das HI-Virus blockiert. Das modifizierte Protein greift sehr früh in den Zyklus des Virus ein und kann es dadurch nachhaltig an seiner Ausbreitung hindern. Die Forscher züchteten Zellkulturen mit dem veränderten Protein, die sich deutlich besser gegen das HI-Virus wehren konnten als solche ohne das neue Protein. Bei ersten Versuchen mit Mäusen zeigte sich, dass die Methode auch bei lebenden Organismen funktioniert, schreiben Martha Neagu von der Columbia-Universität in New York und ihre Kollegen im Fachjournal „Clinical Investigation“ (doi: 10.1172/JCI39354).

Nachtaffen und Menschen besitzen beide ein ähnliches Protein, das in den Zyklus des HI-Virus eingreift. Das Affenprotein kann das HI-Virus jedoch besser bekämpfen. Die Forscher übertrugen nun die dafür verantwortlichen genetischen Komponenten auf die menschliche Form des Proteins. Zu dem Zweck werden diese Komponenten mittels eines sogannten Vektors, der als Genfähre dient, ind die Zellen eingebracht, die dann ein Protein produzieren, das tatsächlich in der gewünschten Weise funktioniert: Es blockiert den Vermehrungszyklus des HI-Virus.

Unterbinden des Virenzyklus

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„Die beste Methode, HIV zu bekämpfen, wäre ein Impfstoff. Das Virus hat sich in dieser Hinsicht aber sehr widerstandsfähig gezeigt“, erklären die Forscher: „Also versuchen wir, seine Vermehrung möglichst wirksam zu blockieren. Je früher im Virenzyklus dies geschieht, desto besser, weil das Virus so weniger Gelegenheit hat, Resistenzen zu entwickeln.“ Die Zellen mit dem implantierten Vektor können das Virus blockieren, bevor es sein Erbgut in die menschlichen Zellen einbaut.

Viren wie HIV vermehren sich, indem sie ihr Genom in die Wirtszellen einschleusen, welche es dann automatisch kopieren, ohne dass das Virus selbst etwas dazu beitragen muss. Das macht den Erfolg der Viren und gleichzeitig die Schwierigkeiten für das Immunsystem aus. Denn um das Virus zu bekämpfen, muss es körpereigene Zellen eliminieren. HIV ist besonders heimtückisch, weil es sich genau in denjenigen Zellen einnistet, die für die Bekämpfung von Eindringlingen zuständig sind - den Immunzellen.

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Effekt in der Petrischale

Die Forscher stellten zunächst Zellen mit dem Vektor her. Sie vermischten diese mit Zellen ohne das neue Protein und infizierten die Kulturen mit HIV. Nach einem Monat waren in den Petrischalen fast nur noch modifizierten Zellen zu finden, die anderen waren an dem Virus gestorben. In einem weiteren Schritt injizierten die Wissenschaftler Mäusen menschliche Immunzellen, die den Vektor enthielten. Die mit HIV infizierten Tiere wiesen nach zwei Wochen dank des neuen Proteins deutlich mehr Immunzellen und weniger Virenzellen im Blut auf. Die Forscher hoffen, dass sich dieser Effekt auch bei Tests an Menschen einstellen wird.

Quelle: ddp
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